Meine Reisen

Jakobsweg 2011 - Caminho Portugués

 Also Doch ! Der Pilgervirus hat mich erwischt. Auch 2011 war ich wieder zu Fuß unterwegs nach Santiago de Compostela. In Porto gestartet ging es 11 Wandertage über 235 km auf dem CAMINHO PORTUGUES bis nach Santiago. Weiter dann noch in 5 Tagen über 100 km zum "Ende der alten Welt", Kap Finisterre.

Hier mein Reisebericht und Bildgalerie

 

Reisebericht - Jakobsweg 2011 - Caminho Portugues

 

Bildergalerie

Caminho Portugues 2011 Tag 22

Tag 22:  08.06.2011,  Flughafen Santiago- Mallorca- Hamburg.

Der Kreis schließt sich. Nach Verlassen des Flughafens Porto zu Beginn meiner Pilgerreise sah ich vor dem Terminal einen bärtigen, mir noch unbekannten Pilger, vorbeilaufen. Thomas aus Berlin.
 

Hier am Flughafen Santiago fliegen mit mir bis Mallorca wieder Thomas und seine Frau Gabriele.Auch die „Krankenschwester“ aus Berlin, die gar keine ist, sitzt im Vorraum des Terminals und wartet wie ich auch Stunde um Stunde auf den Flieger.
 

Der Flug nach Mallorca verläuft problemlos. Leider verabschiede ich mich nicht ordentlich von meinen Mitpilgern, da ich zu schnell mein Anschlussterminal für den Flug nach Hamburg suche und die „Krankenschwester“ sowie Thomas und Frau nach Berlin weiter wollen. Drehe mich immer wieder beim Verlassen des Flugzeuges um und sehe keinen der „Drei“. Vermute sie vor mir. Was soll es, vielleicht sehen wir uns ja wieder in Deutschland oder auf einem „CAMINO“ der kommenden Jahre.

Diese Pilgerreise war gut. Ich werde sehen, was an Kontakten bleibt und ob und wann mich erneut der Pilgervirus  irgendwohin treibt.

Inzwischen fest geplant für 2012 ist eine Reise nach Canada. Die Pilgerin Bari und ihre Mitpilgerin Sue aus Canada haben zu einem Pilger- Wiedersehen „Camino Frances“ 2010 eingeladen.Hoffe dort außer Sue und Bari, auch noch andere mir bekannte Pilger des Camino 2010 zu treffen.Gemeinsam soll dann einige Tage auf Teilabschnitten der TCT (Trans Canada Trail) gewandert werden.
                                                                                                                                          -ENDE-


                                                

Caminho Portugues 2011 Tag 21

Tag 21:  07.06.2011,  Fisterra – Santiago de Compostela

An der Bushaltestelle direkt gegenüber des Hotels warteten sehr viele Pilger auf den Bus nach Santiago, so dass im ersten Moment zu befürchten war, dass nicht alle Pilger mitkommen. Dementsprechend drängelten sich auch einige massiv vor die Bustür. Besonders ein kräftiger deutscher Pilger erdrückte fast einige Damen, bei dem Versuch unbedingt zu den ersten Einsteigern gehören zu müssen. Wer vor dem Jakobsweg schon egoistische Wesenszüge an sich hatte, der wird auch nach dem Camino sicher nicht geläuterter nach Hause kommen!
Die Befürchtung, keinen Platz im Bus zu bekommen, erwies sich als unbegründet und so konnte jeder Pilger die zwei Stunden Busfahrt nach Santiago im Sitzen genießen und die schönen Küstenlandschaften aus dem Fenster betrachten.
 

In Santiago bekam ich auch sofort wieder ein Zimmer im Hotel am Plaza Galizia.
Um 12.00 Uhr ging ich dann noch einmal zur Pilgermesse in die Kathedrale und blieb dort bis zum Ende des Gottesdienstes. Der berühmte 54 kg schwere Weihrauchkessel „Botafumeiro“ an einem 21 m langen Seil in einem hohen Bogen von 65 m Wegelänge durch das gesamte Querschiff der Kathedrale geschwenkt, verbreitete einen süßlichen Duft und man konnte in Ruhe seinen „Gedanken- Camino“ nachgehen.

                                                                  

Das war er nun, mein Camino 2011!

Waren es 2010 auf dem Weg von Saint Jean Pied de Port nach Santiago hauptsächlich der Stolz und die Genugtuung es über 800 km bis hierher zu Fuß geschafft zu haben, so waren es in diesem Jahr die vielen positiven Begegnungen zwischen den Pilgern, das Zusammenfinden der „Germanentruppe“ und das Genießen der landschaftlich schönen Teilstrecken des „Caminho Portugues“ und für mich noch naturerlebnisreicher der tolle Weg von Santiago zum Kap Finisterre.

 


 

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Caminho Portugues 2011 Tag 19+20

Tag:  19 und 20,    05. und 06.06.2011, Fisterra,  Kap Finisterre,

Nun habe ich noch viel Zeit. Könnte heute zum Beispiel einen Fußmarsch nach Muxia immer an der Küste lang machen.
Aber erstens habe ich keine Lust mehr auf alleinige Wanderung und außerdem fängt der Morgen sehr wolkenverhangen und trübe an. Wir hatten ja immer viel Glück mit dem Wetter. Ich denke an die heute ankommenden Pilger, bei den teilweise steilen Abstiegen auf rutschigen Wegen sicher nicht sehr angenehm. Es hat stark angefangen zu regnen und sieht auch in den ersten Vormittagsstunden nicht danach aus, dass es bald aufhört. Ich sitze in einem Café und schaue auf den Hafen von Fisterra. Um acht Uhr hatte ich noch in der privaten Pilgerherberge für nur 3 € sehr gut gefrühstückt, mir auch bereits gleich ein Hotel ausgesucht, in dem ich für  zwei Nächte bleiben werde.        
Dann am 07.06.2011 mit dem Bus nach Santiago zurückfahren, dort noch einen Tag und eine Nacht abhängen, bis am späten Nachmittag des darauffolgenden Tages mein Flieger über Mallorca zurück nach Deutschland geht.

Was also anfangen mit dem Tag. Einmal mein Buch weiterlesen klar, dann ein wenig Pilger beobachten auch klar.
Viele bekannte Gesichter werde ich nun garantiert nicht mehr sehen. Komme ins Gespräch mit einem Pilger aus Nordfriesland, der mir bestätigt, dass mein Entschluss nicht nach Muxia zu gehen, richtig war.
Gegen Mittag  suche ich dann erneut das Hotel auf und beziehe mein Zimmer für zwei Nächte. Von meinem Rucksack befreit, kann ich nun unbesorgt auf die Suche nach einer Jakobsmuschel an den  Strand gehen und was zu essen besorgen. Jakobsmuschel im Original als Andenken mit nach Hause bringen, einfach Pflicht für einen Jakobspilger. Obwohl viele andere Pilger diesen Gedanken natürlich auch haben und am Strand suchen, werde ich doch schnell fündig und kann mir zwischen einigen Muscheln die schönste aussuchen. Treffe hier am Strand auch die beiden Pilgerinnen aus Brasilien wieder  und auch Thomas und Gabi sind noch im Ort. Wir stehen gerade zusammen, da kommt auch der Pilger aus Dänemark vorbei. Er macht einen sehr bedrückten Gesamteindruck. Die Mitpilgerin aus Weimar ist bereits weiter nach Muxia gewandert und damit aus seinem Gesichtsfeld verschwunden. Er hatte sich wohl mehr von der Begegnung mit ihr versprochen, als sie bereit war zu geben. Sei nicht traurig Junge. Das Leben geht weiter und Dänemark hat ja auch sehr schöne Mädels!

 

Beim Rückmarsch in die Innenstadt traf ich den Pilger aus Korea wieder. Ihm war ich einige Male auf dem Weg von Santiago nach Fisterra und auch an dem Abend am Kap begegnet. In unserem beiderseitigen unbeholfenen Englisch unterhielten wir uns fast eine halbe Stunde und ich erfuhr unter anderem von ihm, dass er nach seinem Jakobsweg noch viele Städte in Europa besuchen will. Barcelona, Lissabon, Rom, Wien, Heidelberg, Amsterdam, Paris und Krakau (Polen) seine weiteren Stationen auf unserem Kontinent, bevor er wieder in seine Heimat Süd- Korea zurück kehrt.
Dass sein Besuch in Deutschland nur die Stadt Heidelberg betrifft, bestätigte wieder, dass für Menschen aus Korea, Japan oder auch den USA Germany nur in Heidelberg zu finden ist!
Am zweiten „Gammeltag“ in Fisterra wieder Regen. Also von Café zu Café schleichen, Buch lesen und „Pilger- Schauen“.
Mit dem Bus um 11.45 Uhr fahren nun Thomas und Gabriele nach Santiago zurück und wollen dort einen Tag länger bleiben. Auch sie fliegen am 08.06.2011 nach Berlin, so dass wir uns in jedem Fall, wenn nicht in Santiago, dann aber spätestens am Flughafen noch einmal sehen werden.
Jetzt kenne ich hier nur noch flüchtig die „Krankenschwester“ aus Berlin, die genau wie ich nun ihre Zeit in Fisterra bis zum Abflug überbrückt.
 

 

 

            

In einem der zahlreichen Restaurants am Hafen gönne ich mir am letzten Tag ein besonderes Mittagessen, nach all den vielen Pommes-Menüs der vergangenen Pilgertage.
Fischsuppe Original Spanien
Jakobsmuschel, serviert auf einer Originalmuschel als Teller
Es war nicht ganz preiswert, aber lecker! Die Muschel durfte ich mitnehmen, oder sagen wir so: Der Kellner grinste sich nur einen, als er sah, dass ich die Muschel fein säuberlich in die Serviette wickelte. Dieses Prozedere wird er schon oft gesehen haben.

 

             

Da der Tag noch lang war und der Regen endlich aufhörte, entschloss ich mich, doch noch einmal zum Kap Finisterre zu wandern. Nach 300 m die Straße aufwärts vor mir ein kleines Hotel. Davor die fünf Pilger aus Stuttgart.Der Pilgerführer und die zwei Ehepaare sind also drei Tage nach mir auch in Fisterra angekommen. Kurzes Gespräch, einige Hinweise von mir, aber ich merkte wieder schnell, dass wir trotz der vielen Begegnungen auf unserem Camino nicht wirklich „miteinander warm“ werden und verabschiedete mich.
Am Kap dann nicht das erhoffte Fotowetter und deshalb nur einige Bilder gemacht und zurück in die Stadt.


 

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Caminho Portugues 2011 Tag 18

Tag 18:  04.06.2011,  Cee – Fisterra,  13,5 km

Der Planet glüht wieder mächtig, egal heute wird Fisterra erreicht. Um sieben Uhr in der Früh aber erst einmal gut frühstücken, bevor der Wandertag begonnen wird. Mit mir in dem Café auch das Mädchen aus Weimar und die Pilgerin aus Canada. Der Pilger aus Dänemark gesellt sich auch noch dazu. Wunderte mich im ersten Moment über die hohe Rechnung für mein Frühstück. Merke gar nicht, dass ich für zwei Personen bezahlt hatte, aber das Girl aus Germany war ehrlich und gab mir ihren Anteil der Bezahlung, nachdem ich bereits das Café verlassen hatte.
Gegen acht Uhr verließ dann wieder einer nach dem anderen das Zentrum der Stadt, immer entlang der anliegenden Küstenstraße. Auf einem Parkplatz stand ein Wohnmobil mit französischem Kennzeichen. Der Mann und seine Frau winkten mir beim Vorübergehen fröhlich zu und ich erwiderte diesen netten Gruß.
Da ich nirgends einen gelben Pfeil sah, glaubte ich im ersten Moment und nachdem ich ca. 2 km immer am Rande dieser Küstenstraße weiter gelaufen war, dass ich falsch bin. Dann ein erstes Pilgerzeichen links in einen Waldweg hinein. Also doch alles richtig gemacht.
Der Weg dann, wie alle Tage seit Santiago herrlich zu laufen. Schon jetzt kann ich das Resümee ziehen, was Wanderwege, Landschaften und Umgebung des Jakobsweges betrifft, der Jakobsweg von Santiago de Compostela bis Kap Finisterre weit aus spektakulärer ist als der Jakobsweg von Porto bis Santiago. Dieser hatte zwar immer wieder gute Teilabschnitte, aber auch immer wieder viele Bitumen-, Straßen- oder Industrie- bzw. Stadtgebiete. Der Jakobsweg Santiago zum Kap ist hervorragend ausgebaut und fast ausschließlich auf Naturpfaden in herrlichen ruhigen Landschaften.

                                                    

Der nächste größere Hafen- und Fischerort mit Namen Sardineiro ist erreicht. Am Straßerand steht wieder das Wohnmobil aus Frankreich. Die Hausherrin, eine nette ältere Französin, sprach mich an und lud mich auf einen Kaffee ein. Neben der offenen Wohnwagentür  stand bereits ein junges Pilgerpaar aus Frankreich. Ich nahm gern die Einladung auf einen Kaffee zwischendurch an. Wenn sich auch die Unterhaltung als sehr schleppend zwischen mir und den drei Franzosen entwickelte, so war ich in diesem Moment doch begeistert von der schönen Geste dieser Französin gegenüber den vorbei pilgernden Menschen. Wie ich dann in Kauderwelsch- Englisch erfuhr, pilgert ihr Mann den Weg von Santiago nach Fisterra zu Fuß und sie fährt immer mit dem Wohnwagen voraus. Klar habe ich beide später auch in Fisterra und am Kap wieder gesehen.
Vom Fußweg oberhalb der Küste dann der erste spektakuläre Blick auf eine malerische Sandbucht hinunter, läuft man dann noch an die zwei Kilometer Fußweg immer am Strand entlang bis zur Altstadt von Fisterra.
Ein Pilgerpaar vor mir läuft an das Wasser und taucht seine nackten Füße, die Wanderschuhe über den Rucksack geworfen, in das Wasser. Am Pilgerkreuz vorbei erreicht man dann in wenigen Minuten das Zentrum von Fisterra und ich finde auch gleich das Pilgerbüro gegenüber einem großen Denkmal inmitten eines Fahrbahnkreisels.
Noch hat das Büro geschlossen. Meine Compostela von Fisterra kann ich auch später noch holen. Erst einmal eine Herberge für eine Nacht suchen. Nach 400 m immer eine Gasse geradeaus, finde ich in einer Seitenstraße auch eine sehr schön gelegene Herberge und bekomme im Obergeschoss ein Bett. Erst in vier Tagen geht mein Flieger, also noch sehr viel Zeit für das 3,5 km entfernte Kap Finisterre und dieser Ortschaft am „Ende der alten Welt“.                      

           

 

 

 

 

 

 

 

Da man immer nur eine Nacht in einer Herberge bleiben darf, muss ich mir morgen noch für zwei Nächte ein Hotel suchen. Immer am Hafen entlang zurück in das Pilgerbüro, erst kleinere Einkäufe erledigen, hole ich nun die schöne bunte Pilgerurkunde von Fisterra. Vor dem Büro viele wartende Pilger,ich kenne aber nur die drei deutschen Pilger, denen ich seit einigen Tagen immer wieder begegnet bin.Schaue mich nun weiter um nach bekannten Pilgergesichtern und entdecke endlich auch Thomas und Gabi aus Berlin, meine Pilgermitstreiter der „Germanentruppe“ Porto- Santiago.
Wir verabreden uns für den Abend zum Treff am Kap Finisterre, um den berühmten Sonnenuntergang zu erleben Dort am Kilometerstein 0,00 km versinkt in den Abendstunden der „gelbe Pilgerpfeil“ in das Meer und zeigt dem Pilger, dass er seine Pilgerreise hier beendet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fisterra- Kap Finisterre,  3,5 km,  20.00 Uhr

Nach dem Essen in einem der zahlreichen Cafés am Hafen mache ich mich mit Thomas und Gabriele auf den Weg zum Kap. Noch unterwegs eine Flasche spanischen Rotweins vom bekannten Weinanbaugebiet RIOJA zum Anstoßen organisiert, werden diese 3,5 km schnell erledigt und schon von weitem sieht man den Leuchtturm und die angrenzenden Gebäude an der Spitze des Kap.
 

Vorbei an einem sehr schönen Pilgerdenkmal hat man die Hälfte der Strecke geschafft. Mir kommen die beiden Pilgerinnen aus Brasilien entgegen, die mit der deutschen Pilgerin aus Aachen auf dem Caminho Portugues unterwegs waren. Haben sie es also auch bis hierher geschafft.
 

Wir erreichen den Pilgerstein 0,00 km und sind nun an der Spitze vom Kap angekommen. Überall laufen Pilger auf den Wegen oder kriechen zwischen den Felsen direkt an der Spitze unterhalb des Leuchtturmes herum.
 

            

 

Dann, wen sehe ich da zwischen den einzelnen Gesteinbrocken neben dem großen Pilgerkreuz.    Diese Frau kommt mir sehr bekannt vor, doch ich brauche einige Sekunden, bis ich kapiere, dass sie die Pilgerin von dem Camino Frances des letzten Jahres ist. Die Frau, die doch mit ihrem Mitpilger sehr resolut, wenn nicht gar herrisch umgegangen war und jedem, ob er es hören wollte oder nicht, von ihren Wanderungen auf allen Hügeln und Bergen dieser Welt lautstark berichtete. Ich sprach sie hier am Kap 2011 an und gab mich ihr als Pilger des Camino 2010 zu erkennen.Sie erkannte mich natürlich nicht.Als ich ihr dann aber erzählte, wo und wann ich sie und den von ihr geführten Mitpilger auf dem Camino Frances 2010 gesehen hatte, zog sie wieder in der mir ja schon bekannten „Feldwebelart“ über ihren Mitpilger des letzten Jahres her. Was sie mir nun über ihn sagte, möchte ich lieber nicht schreiben.Auf jedem Fall müssen ihm auch über die tausende Kilometer Entfernung in diesem Moment die Ohren geklingelt haben. Na lange hielt sie sich dann auch nicht mehr mit mir auf. Dann mussten sich die beiden Pilgerinnen aus Holland, die neben mir standen, ihre heroischen Pilgergeschichten anhören.
 

 

Wir, das waren Thomas und seine Frau Gabriele, dann die Pilgerin aus Weimar, die Pilgerin aus Canada und der Pilger aus Dänemark setzten sich dann auf einen Felsen, machten viele Fotos und tranken Wein und Sekt, warteten auf den nahenden Sonnenuntergang. Gegen 22 Uhr versank der „gelbe Pilgerpfeil“ dann am Meereshorizont. Überall auf den Felsen um uns herum saßen so an die 20-30 Pilger und Pilgerinnen, hingen ihren Gedanken nach und starrten der nun versinkenden Sonne hinterher.

 

 

 

 

 

Thomas verbrannte noch eines seiner T-Shirts. Vor lauter Aufregung wäre uns dabei beinahe die aufgedrehte Pilgerin aus Canada vom Felsen gestürzt. Mein Rotwein Gioroso aus Rioja schmeckte und  erst im Dunkeln ging ich dann mit Thomas und Gabriele zurück bis zu meiner Herberge. Die Haustür dort hatte ein Schloss mit Zahlenkombination.Nach dem sechsten bis achten Versuch die Tür zu öffnen, wollte ich mich bereits damit abfinden, die Nacht am Strand von Fisterra verbringen zu müssen. Dann endlich ging die Tür doch noch auf. In völliger Dunkelheit eine Eisentreppe hochzugehen und in einem Schlafraum mit vielen Doppelstockbetten dann sein eigenes Bett zu finden, ohne dabei die schlafenden anderen Pilger zu wecken, bedurfte noch einmal volle Konzentration und das nach einer Pulle Rioja.

   

       


 

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Caminho Portugues 2011 Tag 17

Tag 17:  03.06.2011,  Olveiroa – Cee,  20,5 km

Der Outdoor- Pilgerführer verspricht einen reizvollen Weg für die heutige Etappe und das kann ich nur bestätigen.
Ein schöner breiter Weg immer am Hang entlang wandernd, blickt man linkerseits auf den aufgestauten Fluss Xallas, einen Windpark auf der dahinter liegenden Anhöhe und im Tal auf einen Stausee.
Bewaldete Hügellandschaft, in der das Wandern Spaß macht, da nun der Wind des Atlantiks, trotz der Hitze, Kühlung während des Laufens bringt.

 

An einer kleinen Kapelle mit dem Namen „Capilla da Nosa“ lege ich eine Rast ein und sitze kurz mit der jungen Pilgerin aus Weimar am Tisch des Rastplatzes. Zu uns setzte sich eine Pilgerin aus Berlin, der ich jetzt das erste Mal begegnete. Warum ich ihr dann ab nun den Namen „Krankenschwester“ aus Berlin gab, kann ich jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, nicht mehr sagen. Aber wie schon einmal beschrieben, auf dem Jakobsweg werden schnell aus dem ersten Eindruck einer Begegnung resultierend und mangels Wissen der Vornamen, Spitznamen vergeben. Wir unterhielten uns kurz, bevor jeder wieder seinen Weg weiter ging. Beobachteten vorher noch gemeinsam die an einem Pilgerkreuz vorbei ziehende Rinderherde, bewacht und geführt vom Hirten und seinem Schäferhund.

 

 

 

 

 

        

 Nun laufe ich im Wechsel immer wieder mit dem Mädchen aus Weimar vor oder hinter mir auf einer geraden Anhöhe in Richtung Cee. An einer großen Kreiselkreuzung musste man sich vorher entscheiden, ob man gerade aus in Richtung Muxia wandert oder die Straße links nach Fisterra wählt.
Mein Weg führt mich weiter in Richtung Kap, denn der Umweg über Muxia würde so einige Mehrkilometer bedeuten und im Gegensatz zu der immer noch sehr leichtfüßigen jungen Pilgerin gerade wieder vor mir, ist mein Laufstil doch schon etwas quälender. Sie macht wieder eine Pause und schreibt in ihrem Tagebuch, ich ziehe vorbei. In der Herberge von Cee sind wir dann am frühen Nachmittag die einzigen Pilger der Herberge. Fast alle anderen Pilger gehen noch die verbleibenden 13,5 km bis Fisterra weiter.
Nach einigen Minuten dann der große Moment. Für mich schon sehr bewegend, muss ich nun an die Pilger des Mittelalters denken. Haben sie nach vielen Entbehrungen und unter ganz anderen Bedingungen es bis zur Kathedrale von Santiago geschafft. Dann auch den beschwerlichen Weg zum Kap Finisterre- „Das Ende der alten Welt“- auf sich genommen, muss es für diese Pilger enorm bewegend gewesen sein, nun von dieser Anhöhe aus das Meer zu sehen.
Vor mir das blaue Band der Atlantikküste, rechts weit hinten erkennt man den Leuchtturm vom Kap Finisterre und unten sehe ich das Panorama der Stadt Cee.

Noch einige Kilometer immer teilweise extrem steil bergab und sehr steinig nähere ich mich nun dem Zentrum. Bei schlechtem Regenwetter könnte einem dieser Wegeabschnitt garantiert noch einmal zum Verhängnis werden. Jeder einzelne Schritt abwärts muss wohlbedacht sein.
Vor mir liegt der breite schöne Sandstrand von Cee. Die örtliche Herberge finde ich schnell und bringe um 14 Uhr meinen Rucksack in den Vorraum der Herberge. Betrag für die Nacht bezahlen, Stempel in den Pilgerausweis und Bett suchen. Wie schon erwähnt, die Auswahl ist groß, da bisher nur ein Bett von über vierzig belegt ist und ich nun wieder auf die Pilgerin aus Deutschland treffe. Am späten Abend bezieht noch ein Spanier, der mit einem großen Koffer den Raum betritt, ein Bett neben mir. Am Nachmittag habe ich ihn verloren wirkend in der Stadt umherirren gesehen und mich schon über ihn ein wenig gewundert, denn nach einem Pilger sah er so gar nicht aus mit seinem riesengroßen Rollkoffer, sondern eher nach einem Mensch ohne Bleibe. Nehme an, dass der Chef der Herberge Mitleid mit ihm hatte und den Landsmann kostenlos die eine Nacht in der Herberge schlafen ließ. Platz war ja reichlich.
Andere Pilger habe ich beim Stadtbummel im Zentrum von Cee nicht getroffen und so vermerke ich um 17 Uhr in meinem Pilgertagebuch, an einem Tisch einer Bar sitzend, folgenden Eintrag.

                   „Ich sitze in Cee und trinke Bier (San Miguel),sonst anderes kann man nicht hier!“

 

 

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Caminho Portugues 2011 Tag 16

Tag 16:  02.06.2011,  Santa Marina – Olveiroa,  12 km

Entweder laufe ich die 12 km bis Olveiroa, oder wenn weiter dann sind es noch einmal 20 km bis in die Stadt Cee.
Da es bis zum Kap Fisterra dann aber nur noch 13 km sind, brauche ich darüber nicht lange nachdenken. Mein Flieger geht erst am 08.06.2011 vom Flughafen Santiago ab und ich habe damit noch alle Zeit der Welt.
Nur 12 km Tagessatz, lass dir Zeit. Na ja, um elf Uhr vormittags erreichte ich dann doch sehr früh den Ortseingang eines malerischen kleinen Ortes mit Namen Olveiroa. Gleich am Ortseingang eine neu errichtete Pilgerherberge mit dem Namen „Albergue Horreo“ auf einem Bauernhof. Obwohl nicht die offizielle Herberge des Ortes, die ist eine Straße weiter, gefällt es mir gleich so gut, dass ich eintrete. Der Chef macht gerade sauber. Ich kann aber schon meinen Rucksack da lassen und habe bis zur Öffnung um 14 Uhr Zeit genug für eine umfassende Ortsbesichtigung.

In Olveiroa stehen überall auf den Grundstücken die Kornspeicher Horreos aus Natursteinen gebaut. Das Wahrzeichen dieser Region. Allein auf dem Kirchplatz gleich mehrere.
Nun sehe ich auch die offizielle Herberge des Ortes. Drei restaurierte Gebäude aus altem Granitsteinen, gegenüber einem Café, in dem auch Pilgermenü angeboten wird. Also verhungern brauche ich hier nicht. Suche aber jetzt einen Laden, um Wasser, Bananen oder Orangen für morgen zu kaufen. Finde in diesen heißen Mittagsstunden aber kein einziges Geschäft. Habe den überschaubaren Ort nun bereits einmal umrundet und sehe am Ortsrand ein schönes Café.
 

 

 

Auffallend am Eingangsbereich in die Fassade eingelassen ein Paar Wanderschuhe und ein großer Pilgerhut mit der Jakobsmuschel.
Hier lässt es sich aushalten. Bin in diesen Tagen froh, ein Buch von zu Hause mitgenommen zu haben und nun Gelegenheit zu haben viel zu lesen oder vorbei wandernde Pilger zu begutachten. So nach und nach kommen am Nachmittag immer mehr Wanderer, gehen weiter oder suchen sich eine Bleibe für diese Nacht.
In meiner privaten Pilgerherberge sind nur einige Pilger abgestiegen, während sich  vor der offiziellen Herberge an die 15 bis 20 Pilger  aufhalten. Ein mir bekanntes Gesicht ist nicht dabei. Sehe heute aber das erste Mal eine junge Pilgerin aus Weimar, die am Abend beim Pilgermenü zusammen mit einer Pilgerin aus Canada sitzt, die einen sehr aufgedrehten Eindruck macht. Immer wieder taucht auch ein junger Pilger aus Dänemark auf, der sich erkennbar um die deutsche  Pilgerin bemüht. Noch ahne ich nicht, dass wir alle zusammen den Abend am Kap Fisterra zusammen verbringen werden.
Am Nachbartisch auch drei deutsche Pilger, denen ich dann bis Fisterra und anschließend in der Kathedrale von Santiago immer wieder begegne.
Vor dem Café steht ein nagelneues Auto. Zwei freilaufende Schäferhunde umrunden immer wieder das Auto und fangen plötzlich an, die vordere Plastikschürze vom Auto zu bearbeiten. Sie zerren beide solange an dem Teil, bis es plötzlich komplett abreißt. Der Autobesitzer wird sich freuen!
Im Gegensatz zum gestrigen Nepp-Pilger-Menü ist hier das Essen super.Noch zwei Tage dann werde ich den Atlantik riechen und sehen. Schon hier weht nun immer ein erfrischender Wind, so dass man beim Wandern die Hitze nicht mehr so spürt.
 

 

 

 


 

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Caminho Portugues 2011 Tag 15

Tag 15:  01.06.2011,  Negraira – Santa Marina,  22 km

Wie erwartet, waren Achim und Michael schon am frühen Morgen los, wollen die 34 km bis Olveiroa laufen, was so gar nicht meine Option ist.
Ich sitze noch ruhig am großen Tisch des Aufenthaltsraumes in der Herberge. Nur noch einige Pilger wuseln umher, packen und verlassen so nach und nach die Herberge.
Neben mir auf dem Tisch liegt eine Taschenlampe, die sicher ein Pilger vergessen hat. Plötzlich betritt Michael den Raum, schon sichtbar völlig durchgeschwitzt. Nach drei bis vier Kilometer hatte er bemerkt, dass er  seine Taschenlampe vergessen hatte, also Retour bis zur Herberge Damit waren für ihn jetzt bereits schon einmal unfreiwillige   7 km absolviert und nun bis Olveiroa noch 34 km vor ihm.
Um acht Uhr kam ich dann auch so langsam in die Spur und verließ als letzter Pilger die schöne Herberge von Negraira,hinein in einen sonnereichen Tag. Da aber die Pilgerwege erneut durch eine sehr schöne bewaldete Region gingen und es windig war, spürte man die Hitze nicht so extrem.
 

      

Sitze im Café am Ortseingang des kleinen Dorfes Santa Marina und hoffe, hier eine Herberge zu finden. Bis Olveiroa sind es noch 12 km und die zu laufen habe ich keine Meinung mehr. Nur 100 m hinter dem Café sehe ich ein Restaurant und ein Hinweisschild auf eine private Herberge. Also rein in das Restaurant und fragen nach einem Bett für eine Nacht. Die freundliche alte Hausherrin führt mich in ein Nebengebäude und dort im Obergeschoss kann ich mir eines von den sechs Betten aussuchen. Endlich einmal kein knarrendes Doppelstockbett, sondern eines aus massiven Holz. Hier gefällt es mir. Der Preis beträgt  zwar etwas mehr als in den öffentlichen Herbergen, aber das war für mich in Ordnung.
Habe nun noch viele Stunden Zeit bis zum Abend, setze mich nach draußen und will heute viel lesen. Den Ort anzuschauen lohnt nicht, da er nur aus einigen Häusern entlang der Hauptverkehrsstraße besteht.
Das einzige, was mich hier massiv stört, ist der Umgang einiger Spanier mit ihren Hunden. Neben den vor der Eingangstür der Herberge aufgestellten kleinen Tischen und einigen Plaststühlen steht unter einer provisorischen Überdachung ein Traktor. An diesem Traktor mit einer Eisenkette angebunden ein Schäferhund, der auf jede Bewegung verständlicher weise sehr aggressiv reagiert. Ohne Wasser, der Sonne völlig schutzlos ausgeliefert, vegetiert dieser schöne Hund den ganzen Tag angekettet vor sich hin. Tierquälerei pur. Die in Massen um den Hund liegenden Kothaufen beweisen, dass dieser Hund nie abgekettet wird.
Das Niveau des abendlichen Pilgermenüs bestätigte mir dann natürlich zu spät, kehre nie bei Menschen ein, die ihre Tiere quälen. Mit mir im Restaurant am Tisch drei Franzosen, von denen der eine, ein sehr kleiner schon fast als Zwerg zu bezeichnender Mann, mich ununterbrochen beobachtet. Dann noch ein Ehepaar aus Italien, zwei Pilgerinnen aus Holland und ein Amerikaner. Außer den drei Franzosen redete praktisch keiner am Tisch miteinander- Sprachhemmung oder Unlust?
 

Die Auswahl der Pilgermenüs war sehr übersichtlich. Man konnte wählen zwischen Spagetti Bolognese mit Joghurt als Nachtisch oder Spagetti Bolognese ohne Nachspeise. Der Sohn des Hauses bediente uns mit einer beispiellosen Lustlosigkeit, die kaum zu überbieten war. Die Teller voll Spagetti mit einem Hauch von Bolognese in der Mitte.Eine innere Wut stieg bei mir auf. Es war mehr als deutlich zu erkennen. Hier werden die Pilger nur abgezockt. Als der Sohn dann vor den Augen aller am Tisch sitzenden Pilger die Spagetti- und Brotreste auf einen einzelnen Teller im hohen Bogen schleuderte, so dass die Masse aussah wie Schweinefraß, war bei mir die Kotzgrenze fast erreicht.Die behandeln nicht nur ihre Tiere schlecht.
Als der junge Mann dann bei mir abrechnen wollte, merkte ich sofort, der will mich auch hier bescheißen. Nannte immer nur eine zu bezahlende Endsumme, die mir im wahrsten Sinne des Wortes „spanisch“ vorkam. Ich bestand auf eine schriftliche Abrechnung. Er verstand bewusst so gar nicht, was ich von ihm eigentlich will. Die Krönung folgte. Er nahm einen Kugelschreiber und schrieb die einzelnen Abrechnungsbeträge, einschließlich Endsumme, in den Handteller seiner linken Hand und hielt mir dieselbe vors Gesicht. Entnervt gab ich auf und zahlte.


 

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Caminho Portugues 2011 Tag 14

                                       Der Weg zum Kap Finisterre


 Tag 14: 31.05.2011,  Santiago de Compostela – Negraira,  23 km

Verdammt, warum finde ich nicht den richtigen Weg aus der Stadt in Richtung des ersten Tageszieles Negraira.
Santiago will mich noch nicht herausgeben. Unweit des Pilgerbüros treffe ich Wolfgang (Willi) und Esther. Sie sind auf der Suche nach einem schönen Frühstückscafé, können mir den Weg aus der Stadt auch nicht beschreiben.
Verabschiede mich von Ihnen und suche nun die Touristeninformation, lasse mir dort einen Stadtplan geben und von der Mitarbeiterin den Weg hinaus aus der Stadt einzeichnen.
Nun, heute bereits das fünfte Mal, stehe ich an der Kathedrale und erkenne endlich, dass ich nur die Treppenstufen links am Luxushotel Parador hinuntergehen und dann durch die alten Gassen immer gerade aus bis in einen Park laufen muss Ab da sind wieder erste Markierungen für den Jakobsweg Santiago de Compostela zum Kap Finisterre erkennbar.
Hier setze ich mich auf eine Parkbank und telefoniere mit meiner Frau. Sie möchte für mich den Rückflug von Santiago nach Deutschland organisieren, damit ich bei meiner geplanten Wanderung zum Kap die konkrete Zeitschiene habe und weiß, wann ich wieder in Santiago zurück sein muss. Mein Rückflug von Santiago nach Mallorca und von dort aus nach Hamburg ist zum 08.06.2011 gebucht. Ab jetzt kann ich auch einmal weniger Tageskilometer als 25/Tag einplanen, da ich genügend Zeit zum Wandern der ca. 100 Kilometer bis Fisterra habe.

Einen letzten Blick zurück auf die Stadt. Von dieser Anhöhe hat man einen wunderschönen Panoramablick auf Santiago und der zentral gelegenen Kathedrale mit ihren riesigen Türmen.
Verwundert war ich über den ersten Pilgermarkierungsstein am Rande des Weges. Darauf das Metallschild mit der Zahl 86,963 km. Ich bin garantiert heute noch keine 14 km gewandert, also sind es bis zum Kap doch nicht einmal   100 Kilometer.

 Umso besser kann ich mir doch alle Zeit der Welt lassen und die schöne Natur um mich herum genießen. Ist doch schon am ersten Wandertag erkennbar, dass dieser Camino durch tolle Landschaften geht. Immer wieder sehr lange Passagen durch dichte Wälder, lange immer leicht ansteigende Pfade und dann wieder runter. Kleine überschaubare Dörfer. Der Jakobsweg ist sehr gut ausgebaut und beschildert. Also einsames Pilgern in umwerfender Natur angesagt, wenn, ja wenn diese fünf Franzosen nicht wären. Bereits seit dem Park von Santiago laufen diese Sonntagspilger immer vor oder hinter mir und halten nicht eine Minute ihren „Schnabel“. Alle fünf haben keinen Rucksack dabei, machen also wohl nur einen Sonntagsausflug. Ich erinnere mich an das letzte Jahr, als ich so eine Plapperrunde mal einen Tag bei spanischen Pilgerinnen an einem Sonntag erleben durfte. Diese redeten auch ununterbrochen beim Wandern aufeinander ein und ich fragte mich, wann holen die eigentlich mal Luft?
Dass Franzosen das auch können war für mich neu. Mehrere Versuche meinerseits langsamer zu gehen, damit ich Abstand zu dieser „Redegesellschaft“ bekomme, scheiterten immer. Sie blieben oft stehen, damit ihre Unterhaltung noch intensiver fortgesetzt werden konnte. Wanderte ich vorbei, liefen sie mir wieder hinterher. So ging das abwechselnd bis zum ersten Café - Stopp in einem kleinen Dorf. Auf einer Steinmauer sitzend, meinen Rucksack abgelegt, las ich in meinem Pilgerführer, um zu sehen, was mich heute noch bis Negraira erwartet.                                                        

Da kommt ein großer, kräftiger Pilger auf mich zu und spricht mich gleich auf Deutsch an. Michael aus Trier, so geschätzte Ende dreißig, will auch bis zum Kap Finsterre. Wir machten dann gemeinsam Pause im Café und unterhielten und sehr ausführlich über unsere Pilgerreisen bisher. Michael war den Camino Frances gelaufen und gehört zu den Pilgern mit vielen, für mich zu vielen Tageskilometern. So sind bei ihm Wanderungen bis 40 oder 50 km am Tag keine Seltenheit. Was soll`s, daran muss ich mich ja nicht messen. Auf jeden Fall lagen wir auf einer „Wellenlänge“ und konnten gut miteinander quatschen.
Mal zusammen, mal auseinander pilgerten Michael und ich dann bis zur Herberge von Negraira.
Vorbei an dem schön gelegenen historischen Ponte Maceira, dann über die 150 Meter lange Steinbrücke, die den Fluss Tambre überspannt, immer auf Wanderwegen in herrlicher Natur.

 

Nach bewährter Art und Weise empfing mich in der neu gebauten Herberge von Negraira bereits Pilger Achim aus Heidelberg und versorgte Michael und mich sofort wieder mit den wichtigsten Informationen über den Ort.
Wir drei gingen dann auch, unter Führung unseres Pilgermenü- Experten Achim, zum abendlichen Essen.

Michael und auch Achim wollen morgen über 30 km wandern, damit werde ich sie dann wohl nicht mehr noch einmal sehen, da ich nicht zu den Frühaufstehern gehöre und auch Tageskilometer über 30 für mich totaler Quatsch wären.


 

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Caminho Portugues 2011 Tag 13

Tag 13:  30.05.2011,  Pilgertag 11,  Padron – Santiago de Compostela,  24 km

Santiago,  wir kommen. Der Himmel bewölkt, kleine unbedeutende Regenschauer begleiten den letztenPilgerabschnitt bis zum Ziel aller Pilger auf diesem Caminho, der Kathedrale von Santiago de Compostela.
Das Streckenprofil relativ eben und unspektakulär, also nur noch die Stadt erreichen. Begegne immer wieder den beiden älteren Ehepaaren aus Holland. Der einen Ehefrau geht es nicht gut. Ihr Mann hat große Sorge um sie und ich biete ihnen an, bis zur nächsten Herberge in Teo, ihr den Rucksack abzunehmen, was sie aber strikt ablehnt. Sie schafft es dann noch aus eigener Kraft bis zur Bushaltestelle eines Dorfes und fährt bis zur Herberge voraus. Die Frau hat einen Arm in Gips und geht trotzdem diesen Weg, bewundernswert.Das andere Ehepaar aus Holland, er ist Japaner, wandern nicht schnell, aber unbeirrt ihren Weg. Machen viele kleine Pausen und dann weiter.
Um 9.00 Uhr komme ich in das Dorf Augueira de Suso, treffe wieder das Ehepaar aus Düsseldorf, die heute vielleicht wegen der Vorfreude auf Santiago, auch einmal ein Lächeln beim aneinander vorbei gehen für einen haben.

 

Nach der Ortschaft Teo, die gar nicht als solche zu erkennen ist, da die Häuser sehr weitläufig auseinander liegen, setze ich mich auf eine Bank unterhalb eines großen Baumes und fotografiere das schöne mittelalterliche Pilgerkreuz, lese noch einmal in meinem Pilgerführer den noch vor mir liegenden Abschnitt nach und weiter geht es.
Der nun einsetzende etwas kräftigere Regenschauer wird unter einer Baumgruppe abgewartet, denn ich habe keine Meinung hier und heute so kurz vor dem Ziel den Regenumhang aus dem Rucksack zu nehmen.
Am Rande einer stark befahrenen Bitumenstraße sehe ich vor mir  Arnaldo, unseren singenden immer fröhlichen Italiener. Ich laufe auf und bemerke rasch, Arnaldo ist ziemlich lädiert. Ein Arm in der Schlinge, an der freien Hand seinen Wanderstock, ein Unterschenkel bis zum Knie bandagiert, schleicht er nur noch vorwärts Meter um Meter.      Seine beiden Mitpilger sind schon vorneweg.
Am späten Nachmittag treffe ich den sympathischen Italiener an der Kathedrale von Santiago wieder. Auch er hat es also, trotz seiner zuletzt körperlichen Probleme, geschafft und das Grab des Heiligen Jakobus erwandert.
 

5 Kilometer vor der Stadt eine letzte Rast in einem Café. Dort sitzen schon wieder in fröhlicher Runde einige Mitstreiter unserer bekannten „Germanen – Pilgerfraktion“, Thomas und seine Frau, Gabriele und Stefanie, Wolfgang (Willi) und Esther. Obwohl erst einmal jeder einzeln losstiefelt, sind wir dann einige  hundert Meter später eine geschlossene Pilgertruppe im „Gänsemarsch“. Dabei, mal vorne weg, mal mittendrin auch das Pilgerpaar aus Düsseldorf, die nun auf einmal wieder ihre Verbissenheit an den Tag legen und erkennbar durch Tempoverstärkung unbedingt als erste in Santiago ankommen wollen. Lass sie laufen, wenn es sie doch glücklich macht.

Da man von einer Anhöhe hinunter in die Stadt kommt, sieht man bereits sehr früh die die Stadt überragenden Türme der Kathedrale von Santiago de Compostela. Nach zwei Kilometern durch viel befahrene  Straßen der Stadt erreichen wir diese.
Vor dem Hauptportal der Kirche sind viele Zelte aufgestellt. Jugendliche, wohl aus aller Welt, haben hier ein kirchliches Treffen und veranstalten so allerhand Tanzeinlagen und „Fröhlich sein und Singen“
Meine Mitpilger wollen zuerst in das Hotel, um Klarheit für die Übernachtung zu haben..
Mein erster Weg führt mich sofort wieder auf die Steinbank gegenüber der Kathedrale. Nun wohl schon so eine Art Ritual für mich. 2007 saß ich dort das erste Mal in meinen Motorrad- Klamotten und betrachtete lange die eindrucksvolle Kathedrale. Im vergangenen Jahr 2010 saß ich, nach über 800 km Pilgerweg von Saint Jean Pied de Port kommend,                                                                                                                                                 über eine halbe Stunde dort und ließ den Camino Frances noch einmal in Gedanken an mir vorüber ziehen.
 

Heute am 30.05.2011, Steinbank „alle guten Dinge sind drei“, geschafft, trotz zweier Blasen und quetschenden Zehen in den nicht so bequemen Wanderschuhen habe ich erneut Santiago de Compostela , nach einer Gesamtlaufstrecke von 235 Kilometern, erreicht.
Will nun den alles entscheidenden letzten Stempel in meinen Pilgerausweis eintragen lassen und dann ein Hotel für eine Nacht suchen. Inzwischen habe ich innerlich geklärt, dass ich auch noch den Camino von Santiago bis nach Kap Fisterra weiter gehen werde, da ich mich körperlich noch dazu in der Lage fühle, mein Bauchumfang noch Reduzierung vertragen könnte und ich auch in meiner geplanten Zeit liege.
Nicht nur in der Stadt wimmelt es voll glücklich aussehender Pilger, auch in der Anmeldung für den Pilgerstempel und der „Compostela“ (Pilgerurkunde) stehen bereits sehr, sehr viele Menschen an. Das muss ich mir nicht jetzt mit dem schweren Rucksack antun, kehre um und gehe zielgerichtet auf das in einer alten Klosteranlage neben der Kathedrale befindliche Hotel. Hier war ich im vergangenen Jahr bereits und Preis und Niveau hatten mich begeistert. Hatte auch den anderen Pilgern unserer Germanentruppe dieses Hotel wärmstens empfohlen. Musste aber schnell feststellen, alles belegt, keine Chance auf ein Bett. Also weiter suchen. Nicht allzu fern von der Kathedrale bin ich dann fündig geworden und konnte endlich den Rucksack abstellen, kurz ausruhen und dann wieder umgezogen und frisch geduscht ab in die Stadt, Urkunde holen und die anderen treffen. Wir sind alle um 19.00 Uhr an der Kathedrale verabredet, Gruppenfotos machen, letztes gemeinsames Pilgermenü und den Abend der Ankunft genießen.
Leider war das Pilgerbüro immer noch voll wartender Pilger, die alle ihre Compostela abholen wollen. Nützt ja nichts, also auch anstellen, bis ich dran bin. Die Mitarbeiterin kann etwas Deutsch und so ist es für mich leichter ihr zu erklären, dass ich dieses Mal die andere, sagen wir nichtchristliche Urkunde gerne hätte, da ich die christliche bereits habe.Na ja erst fing sie an, doch die Compostela für die christlichen Pilger auszufüllen, nach kurzem Wortwechsel hielt ich dann meine zweite Pilgerurkunde in der Hand und zog von dannen

               

Der Kern der deutschen Pilgergemeinschaft des Caminho Portugues fand sich an der Kathedrale zusammen.Auch Achim, unser Pilger aus Heidelberg, war nun wieder dabei. Ivonne und Manfred vereinte nun wieder das „Kölner Dreigestirn“ mit Esther. Es wurden Gruppenfotos an der Kathedrale geschossen und das letzte Mal das allabendliche Ritual des optimalen Pilgermenü Suchens in Angriff genommen.
Dabei war Mutter Gabriele ihre Tochter Stefanie abhanden gekommen. Stefanie suchte uns und  wurde nach langem erfolglosen Suchen ihrer Mutter dann im Café auf der gegenüberliegenden Seite der Kathedrale, in dem wir uns entschieden hatten zu bleiben, fündig. Am Anfang noch etwas angekratzt wegen der langen „Mutti- Suche“ war das aber wieder schnell vergessen und wir alle hatten den bewährten tollen Pilgerabend in netter Gemeinschaft.
Nun hieß es Abschied nehmen. War eine angenehme Zeit mit Euch in unserem „Germanenhaufen“.Vielleicht sieht sich der Eine oder Andere irgendwann oder irgendwo auf einem neuen Camino wieder, vielleicht bleiben einzelne Kontakte?
Wir werden sehen?
Wolfgang (Willi) und ich wollen noch in ein anderes Lokal und so verabschiede ich mich von Thomas und seiner Frau Gabriele, die ich sicher noch wiedersehen werde, da sie auch morgen in Richtung Fisterra zu Fuß starten wollen.
Auch Achim hat noch diesen Weg vor, wird mir aber sicher gleich wieder davon laufen, eben „Hase und Igel“.
Die „Kölner“ werden noch mit dem Bus zum Kap Finisrerre fahren und anschließend nach Hause in ihre Karnevalshochburg. Manfred und Ivonne verabschieden sich von mir besonders herzlich vor der Tür des Cafés.Machts gut, Gabriele und Stefanie, für die ich hoffe, dass das Grübeln- „was ist für sie der richtige Weg“- bald ein Ende hat und sie zu einem positiven Entschluss kommt.
Wolfgang (Willi) und ich gehen noch kurz auf einen "Scheidebecher" in ein anderes Restaurant und verabschieden uns danach in der Hotellobby.

       Tschüss. Macht es gut und bleibt gesund!

                      -Buen Camino - 
 

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