Meine Reisen

Eine Motorradreise auf die Vulkaninsel Island

 

Bildergalerie - Island 2014

Videogalerie - Island 2014

                                                                                 Reisebericht Island 2014

 

Anreise zum Fährhafen Hirtshals ( Dänemark )

 
Bin auf der Fähre von Hirtshals (Dänemark) in Richtung Färöer-Island gut gelandet. Dann gleich die erste größere Aufregung. Meine Motorradschlüssel sind weg. Aufgeregtes Absuchen meines Schlafkabinenplatzes, meiner Taschen und des Tankrucksacks. Zweimal zur Rezeption nachfragen, ob jemand die Schlüssel auf dem Weg von den Fahrzeugdecks zu den Kabinen gefunden hat. Meine Ersatzschlüssel habe ich natürlich in der zweiten Motorradjacke zu Hause vergessen. Burkhard,der Motorradfahrer aus Duisburg, gibt mir dann den entscheidendenTipp:  Noch sind die Türen der Fahrzeugdecks nicht verschlossen, vielleicht hast Du deine Motorradschlüssel am Motorrad gelassen oder sie sind dort runtergefallen? Im Eiltempo alle Treppen bis zum Fahrzeugdeck runtergestürzt, ran an mein Bike und tatsächlich,die Schlüssel steckten noch im Helmschloss. Hatte meinen Helm angeschlossen und dann erst einmal das Motorrad verzurrt, Tankrucksack abgenommen und Abmarsch die Kabine suchen. Große Erleichterung,aber auch Ärger über sich selbst. Ab diesem Moment ständige Kontrolle,dass die Schlüssel immer an gleicher gewohnter Position am Mann sind.

Dieses Jahr soll mich meine Motorradreise zu einer meiner langgehegten Reiseziele- Island,das Land aus Feuer und Eis- führen.

                                                                                                                                                                                                          In den vergangenen Wintermonaten habe ich viele Informationen aus dem Internet gezogen. Erste Frage: Wie komme ich da überhaupt hin? Am liebsten würde ich per Flugzeug anreisen, mir vor Ort ein leichtes Enduro leihen, wohlwissend, dass meine schwere BMW GS 1100 nicht unbedingt das ideale Gefährt für Islands Pisten, außerhalb der Rundstraße A1, ist. Außer für geführte Motorradtouren auf der Insel gibt es keine Motorräder vor Ort zu leihen. Also doch mit eigener Maschine und damit mit Fähre anreisen.

Fährverbindung Hirtshals (Nordhafen in Dänemark) - Färöer Insel - Island frühzeitig gebucht. Von meinem Heimatort in Mecklenburg bis nach Hirtshals muss ich einen Anreisetag kalkulieren, dann eine Zeltübernachtung auf dem örtlichen Campingplatz. Am nächsten Morgen rauf auf die Fähre.

Die Anreise auf der Autobahn von Flensburg bis Hirtshals verlief sehr gradlinig und monoton. Diese Autobahn kannte ich aber bereits von einer Norwegentour-Rückreise. Einzige Abwechslung viele Pausen bei jeder Gelegenheit. Habe viel Zeit und muss nicht hetzen. Bereits mit mir sind auch schon viele andere Motorradfahrer in gleicher Richtung unterwegs. Lerne auf einem Rastplatz Burkhard aus Duisburg kennen, der mit seiner BMW das gleiche Ziel ansteuert. Wir verabreden uns für den Abend auf dem Campingplatz in Hirtshals.

Einige Pausen später fällt mir auf einem Rastplatz ein doch extrem hochbepacktes Motorrad mit französischem Kennzeichen auf. Der fast gleichaltrige Fahrer war sofort sehr kommunikativ. Er sprach ein verständliches klares Deutsch. Da könnte so mancher Deutscher wohl Deutschunterricht nehmen! Auch er will nach Island. Beim Anblick seines umfangreichen Gepäcks vor und hinter seiner Sitzposition, die ihn nach Einnahme der selben, wie einen Zwerg inmitten von Taschen und Campingrollen wirken ließ, hatte ich keine Zweifel mehr an meiner Entscheidung, mit meiner schweren Maschine nach Island zu reisen. Der Franzose ist risikobereit, scheut kein Abenteuer und ist jedes Kilo seines Gepäcks wert! Ob er das allerdings vor Ort alles braucht, wird er spätestens dann merken,wenn seine Maschine das erste Mal im Schotter liegt. Schreibe hier aus Selbsterfahrung und auch in Erinnerung meines ersten Island-Umfallers auf einem Schotterparkplatz vor Skaftafel.

Den Zeltplatz in Hirtshals schnell gefunden. Burkhard hatte sein Zelt schon aufgebaut. Herrlicher Sonnenuntergang und Vorfreude auf 24 Stunden Tageslicht in dieser Jahrteszeit auf unserer Zielinsel.

 

 

 

Am Morgen nach nur ca. 2 Stunden Schlaf - muss mich erst wieder an Schlafen im Zelt gewöhnen - den Fährhafen angesteuert. Den Motorradfahrern wurde ein gesonderter Stellplatz zugewiesen. War nicht der erste Fahrer vor Ort. Nach und nach kamen immer mehr Motorradfahrer an und ich war schon über die Anzahl der Gleichgesinnten erstaunt. Viele Deutsche, einige Italiener, Holländer, Polen und Fahrer anderer europäischer Nationen. Auch der vollbepackte Franzose traf ein.  Das übliche Ablaufen der aufgebockten Motorräder und  Bike-Schauen, vor so einer Fährauffahrt, begann. Kennzeichen studieren, über Bike-Zubehör fachsimpeln und natürlich die Hauptfrage: Was hat jeder in Island vor? Warst du schon mal da usw. usf.

 

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       Fähre von Hirtshals nach Färöer - Island (Fährhafen Seydisfjördur)

 Zweieinhalb Tage Fährfahrt liegen nun vor uns und das in einer See, die sich auch so manches mal sehr aufbäumen kann. Hoffe, Neptun hat ein Einsehen mit uns, denn Hafenausfahrt in Dänemark und nun bereits einige Stunden auf hoher See sind bisher sehr erträglich. Den abendlichen Verzehr von zwei Fischbrötchen habe ich dann allerdings sehr schnell bereut. Wie auf Befehl erhöhten sich Minuten danach die Wellenberge der vor uns liegenden See. Mein sofortiger Entschluss, mich frühzeitig in die waagerechte Bettposition zu bringen, war goldrichtig. Habe dadurch eine unkorrekte Wahrnehmung meiner Gleichgewichtsorgane vermieden und die erste Nacht bei monotonem Maschinengeräusch und gleichbleibendem Auf und Ab des beengten Raumes als Schaukeln wie in einer Wiege wahrgenommen.

Habe Widererwarten ganz gut in der sechs Mann Cochette geschlafen. Nun gegen 10 Uhr am Morgen liegen noch ein ganzer Tag und eine Nacht Fährfahrt vor uns. Mit mir in dem beengten Schlafraum noch ein junger Schwede und zwei polnische Motorradfahrer. Hatte gestern noch ein langes Gerspräch mit dem Franzosen. Er inzwischen im Vorruhestand, arbeitet zeitweise noch als Freelancer, übersetzt für Firmen Betriebs- und Geschäftsunterlagen. Hat nun auch mehr Zeit, einmal so eine Motorradtour zu wagen. Das erklärt mir dann auch, weshalb an ihm (Motorradklamotten) und seinem gesamten Gepäck alles noch so neu und bisher unbenutzt aussieht. Alles für das Abenteuer Island angeschafft.

Treffe beim Mittag auf Christopher, den jungen Motorradfahrer aus München. Kurzes Gespräch über Unterkunftskabinen und Befindlichkeiten. See you later. Jeder versucht die doch monotone Fährfahrt auf seine Art über die Runden zu bekommen.

Burkhard hat die Nacht nicht so gut verbracht. Obwohl er eine viel teurere Kabine gebucht hat, sind bei ihm auch vier Personen untergebracht und die Räumlichkeiten doch sehr beengt. Klingt so, als ob der Mehrpreis für Kabine gegenüber meiner Wahl nicht gerechtfertigt ist.

Der eine polnische Motorradfahrer aus meinem Schlafraum lag den gesamten Vormittag auf seiner Pritsche. Im Gegensatz zu gestern Abend gab es keinen bedeutenden Seegang mehr, er aber hatte so seine Probleme mit der Seefahrt. Da ich ihn dann beim Mittagessen wieder gesehen habe, kann es doch nicht so schlimm gewesen sein.

 Abwechslung bringt dann noch die Hafeneinfahrt zur Färöer Insel. Alle Passagiere strömen auf die Decks und wollen filmen oder Fotos machen. Der Wind ist sehr stark und Gemütlichkeit was anderes. Deshalb lichten sich wieder schnell die Reihen und ich habe die Möglichkeit, vom Hafen und der Insel einige Aufnahmen zu machen, ohne dass mir ein anderer Passagier vor die Linse hüpft.

 

 

    

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  Ankunft ISLAND, Fährhafen Seydisfjördur - Skaftafell

 Pünktlich 9.30 Uhr legt die Fähre im Hafen an. Unerwartet schnell wurden wir Motorradfahrer als erste von Deck gelassen. Einige Fahrer blieben gleich am Hafenrand stehen, um die weitere Entladung der Fähre zu beobachten und Fotos zu machen. Ich fuhr in dem Strom der abfahrenden Biker weiter. Der Hafen von Seydisfjördur liegt geschützt hinter einer die Bucht fast u-förmig umschließenden Gebirgskette. Sofort nach Verlassen des Hafen ging die einzige Straße steil aufwärts. Kurven, Steigungen und Kehren bis zum höchsten Punkt und dann mehrere Kilometer über das Gebirge in einer noch totalen Winterlandschaft fahrend.

Für einen Augenblick Temperatursturz und kalter Wind empfing uns Island im Juni von seiner ungemütlichen Seite.

Da die kommende Ortschaft nur  ca. 26 km entfernt lag und so schnell, wie es rauf nun auch wieder runter ging bis in den Ort Egilsstadir, war der Kälteschock nur kurzfristig und es herrschten talwärts wieder angenehme Temperaturen.

In Egilsstadir bei Auffahrt auf die wichtigste isländische Straße, die A 1 Ringstraße, trennte sich der Pulk Motorradfahrer. So geschätzt die Hälfte fuhr rechts auf die A1, also nordwärts.

Ich hatte mich vorher schon entschlossen, südlich in Uhrzeigerrichtung, also links auf diese Straße A1, meine Islandrundreise zu beginnen.

Vorher aber noch ein erster Halt an einem rechts vor dem Ortszentrum befindlichen Geldinstitut.  Brauche isländische Kronen und will auch gleich erste Lebensmittel kaufen.

Die "Drei Magdeburger", "Der Ölsnitzer" und zwei italienische Motorradfahrer hatten ihre Bikes bereits aufgebockt und betraten vor mir die Bank. So hatte ich noch Zeit, erst einmal das Prozedere des Geldabhebens zu beobachten und mich vor allem mit dem Umtauschsatz von 1 €uro entspricht ca. 150 isl. Kronen zu beschäftigen. Dass ich mit meinen ersten 8.000 Kronen in Island nicht allzu lange klar komme, merkte ich relativ schnell.

Kaffee-Pause, einige Lebensmittel und Getränke und dann noch in der Touristeninformation eine Landkarte für meinen Tankrucksack - ISLAND. Maßstab: 1:500000 -  geordert.

Sofort war nach diesen ersten Besorgungen meine Geldbörse mit vielen isländischen Münzen prall gefüllt. Eine Tatsache, der ich mich in den weiteren Tagen immer wieder stellen musste.

Vor jedem Einkauf erst einmal Münzen zählen, damit man beim Bezahlen dieser so groß klingenden Zahlungsbeträge (1:150)  auch diese vielen Münzen wieder los wird.

Die Karte für den Tankrucksack war für mich sehr wichtig. Hatte zwar mein Garmin GPS am Lenker mit, aber was nutzt es mir nun hier in Island. Außer Kompass und Koordinateneingabe war es zur Planung meiner Tagesetappen nutzlos. Meines Wissens gehört Island zu Europa, aber die Leute bei Garmin denken da in anderen Kategorien. Auf meiner installierten Europa-Karte ist Island nicht mit enthalten. Extra die Nordeuropa-Karten dazu kaufen, (ISLAND enthalten) dazu hatte ich zu Hause vor Tourbeginn keine Meinung.

Ich denke auch, das Straßennetz von Island ist ja relativ überschaubar und die Karte reicht, was sich dann auch bestätigt hat.

Mit Burkhard habe ich noch Handynummern ausgetauscht. Sein Angebot zusammen zu fahren, hatte ich erst einmal abgelehnt. Da ich viel fotografiere und filme während meiner Motorradreisen, also oft und planlos auch mal Zwischenpausen einlege, kann das für Mitfahrer glaube ich auch nervig werden, sich dem anzupassen. Also mein Angebot an ihn: Wir bleiben telefonisch, per SMS in Kontakt. Jeder fährt sein Tempo und am Abend treffen wir uns auf dem dann angefahrenen Zeltplatz. Burkhard also immer mit entsprechendem Vorsprung vorneweg, klappte das auch gut an unserem ersten Island-Tag.

Auf dem Zeltplatz von Skaftafell baute ich am Abend mein Zelt neben dem von Burkhard auf.

Aber was war das denn? Heute schon weit über 350 km Strecke absolviert. Das wollte ich doch eigentlich ruhiger angehen ! Mir war schnell klar, so symphatisch mir auch Burkhard ist, das passt nicht. Er hat nur 7 Tage für seine Reise geplant, muss also in einer Woche wieder an der Fähre sein. Ich habe 14 Tage Zeit und hier so viele Tageskilometer auf dem Bike. Nein. Habe doch sogar meine Wanderschuhe mitgenommen, die leider sehr viel Platz in der Alukiste beanspruchen. Island soll doch meinerseits nicht nur abgerast , sondern auch so manchen Tag vielleicht erwandert werden !

 

             Nun zum ersten Tag auf dieser phantastischen Insel aus Feuer und Eis

Egilsstadir war schnell verlassen und das einsame Motorradfahren begann. Immer auf der A1 in südlicher Richtung. Anfangs noch auf gut ausgebauter Bitumenstraße, ging dann die A1 auch in Schotterabschnitte über, die sich aber gut befahren ließ. Einzig die vielen Schafe neben oder auch so manches Mal auf der Straße mahnten zum besonnenen vorsichtigen Fahren.

Zum Tanken verließ ich kurzzeitig die A1, um in den kleinen Ort Djupivogur zu gelangen.

Von meinen Norwegentouren gewöhnt, war mir klar, dass hier in Island mit Tankstellenpersonal oder mit Tanken und Bezahlen mittels Geld nicht zu rechnen ist.

Was folgte, war meine erste Lehrstunde Tanken auf Isländisch!

Geldkarte in Automat--Anzahl der zu tankenden Kronen eingeben--Ooojeee (wie viel Benzin brauche ich eigentlich, was kostet der Liter in Kronen, also 20 Liter mal Kronen pro Liter ergibt 4500 Kronen, oder?)--Super-- Tankvorgang beginnt. Aber nun Tank ist voll, also noch mitgebrachten Reservekanister befüllen. (Stutzen von Tanksäulenschlauch viel zu groß zum Einfüllen, es lief über.) Kanister auch voll. Tanksäulenschlauch panisch einhängen. Tankvorgang ist  beendet. Anzahl eingegebener Kronen  nicht verbraucht. Also Geldverlust. Aus Schaden wird man klug. Habe danach schlagartig das isländische Tankprinzip begriffen, obwohl jeder Anbieter wiederum seine eigenen Zahlungsmodalitäten hatte und so manches mal die eine Geldkarte oder eben die andere nicht akzeptiert wurde.

Tage später erzählte mir dann ein anderer Motorradfahrer, dass immer nur der tatsächlich getankte Betrag in isl. Kronen auch vom Konto abgebucht wird. Na, das hätte ich vorher wissen müssen.

Weiter führte mich mein Weg des ersten Tages über Stafafell, Höfn immer an der Südküste Islands entlang durch bizarre Landschaften. Weite Lavafelder. Angrenzende Gebirgszüge, teilweise noch schneebedeckt, immer wieder kurzzeitiger Meerblick bis zum Gletschersee Jökulsarlon unterhalb des ewigen Eisgebietes Vatnajökull.

 Mein Motorrad unmittelbar am Rande des Parkplatzes neben dem See abgestellt, in dem in unterschiedlichen Blautönen schimmernde Eisblöcke treiben. Im Hintergrund das Gebirge schneebedeckt und der gut erkennbare Gletscherzug. Leider war der Himmel doch sehr bewölkt und nun gegen Abend sehr grau. Bilder machen trotzdem ohne Ende. So etwas hat man ja noch nicht gesehen.

 

Dann auf einer parallel zur Hauptstraße verlaufenden Schotterpiste noch ein wenig dichter an einen anderen Seezugang ranfahren, um gute Fotos vom See, den Eisfeldern und Gletscher zu machen.  Der Parkplatz nur loser Schotter und Geröll, Seitenständer raus, mehrmals prüfen. Motorrad steht!!!!

 

Absteigen, Fotoausrüstung aus dem Tankrucksack nehmen und ab zum Fotografieren ran an den Gletschersee. Plötzlich knallt es hinter mir. Meine BMW 1100 GS liegt umgekippt im Schotter. Mann, ich habe doch für solchen fragwürdigen kritischen Untergrund extra ein kleines Brett zum Unterlegen unter den Seitenständer des Motorrades in der Alukiste. Warum habe ich mir die Zeit nicht genommen, dieses unterzulegen.

Trotz mehrfacher Versuche, das Motorrad wieder aufzurichten, bekam ich die voll bepackte Maschine in diesem losen Schotter nicht hoch. Unmittelbar am Rande des Parkplatzes waren einige einheimische Jugendliche damit beschäftigt, ihre Kanus aus dem Wasser zu ziehen bzw. diese zu den Transporthängern zu tragen. Zwei Jungen eilten zu mir und zu dritt schafften wir es dann, mein Motorrad wieder auf seine Räder zu stellen. Völlig ausgepumpt bedankte ich mich bei beiden Jungs und schon waren sie wieder weg.

Kippt das Motorrad mal um, sind als erstes meistens die Blinker kaputt. Dieses mal Glück gehabt. Nur der Lenker hatte sich in der Halterung leicht verdreht. Konnte mittels Imbus-Schlüssel sofort repariert werden, Spiegel wieder richtig eindrehen und weiter, bloß schnell weg von diesem losen Untergrund. Einige Kilometer später erreiche ich den gut ausgebauten Zeltplatz von Skaftafell- Ausgangspunkt von Wanderwegen in das ewige Eis von Vatnajökull.

Burkhard ist schon einige Zeit hier und wir tauschen nun unsere Erlebnisse des ersten Tages aus. Auffallend, der Zeltplatz ist sehr groß, aber wir haben viel Platz. Es sind sehr wenige Camper hier, überwiegend Menschen, die wandern wollen. Waren auf der Fähre noch relativ viele Motorradfahrer, verteilt es sich auf den Straßen sehr schnell. Den ganzen Fahrtag nur eine Begegnung mit einem belgischen Motorradpaar und auch auf der sogenannten Hauptstraße Islands, der A 1, sehr wenig Autoverkehr. Wohl einsames Fahren auf dieser Insel aus Feuer und Eis angesagt ?

Mein Plan für Morgen! Wanderschuhe an und dann zu einem Wasserfall immer auf dem markierten Weg und vielleicht auch näher an den Gletscher.

Mit Burkhard bin ich mir einig, dass ich mit seinem Tempo und Tages- Kilometer, bei nur sieben Fahrtagen, nicht mithalten möchte und ab Morgen jeder sein Ding macht.

Er hat mir dann alle Tage immer seinen Routenverlauf und empfehlenswerte Anfahrtspunkte per SMS gegeben, was für mich sehr hilfreich war. "See you later!!!! Irgendwann oder irgendwo auf den Straßen oder Pisten dieses Kontinents."

 

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            Skaftafell - Vik - Skogafoss - Seljalandsfoss


Burkhard will früh los, ich mir noch Zeit nehmen für ruhiges Angehen des Tages und erst einmal Frühstück und Kaffee. Noch plane ich meine erste kleinere Wanderung zum ca. 90 Minuten entfernten Wasserfall Svartifoss, auf einem vom Zeltplatz beginnenden gut ausgeschilderten Weg.
Wir verabschieden uns, noch einige Fotos und Burkhard fährt weiter. Wir bleiben seine sieben Tage auf Island in Kontakt und so weiß ich täglich, welche Route er gefahren ist und an welchem Ort er sein Zelt aufgeschlagen hat. Ihm ist jetzt natürlich schnell klar geworden, dass eine Reisezeit von 7 Tagen für Island einfach zu wenig ist und er gezwungen sein wird, jeden Tag Kilometer zu absolvieren, ohne große Abweichungen von der Ringstraße A 1.
Nach meiner 14-tägigen Island-Motorradtour muss ich feststellen, dass eine optimale Reisedauer drei Wochen gewesen wäre. Will man nicht immer nur fahren, sondern auch mal andere Aktivitäten (Wandern, Baden in Hot Spots usw.) machen und auch an solchen tollen Orten wie den Myvatn - See länger verweilen, dann braucht es mehr Zeit.
Auf der Fähre hatte ich einige Motorradfahrer getroffen, die drei Wochen Island geplant hatten. Na ja, es muss ja nicht bei einmal Island bleiben!!!
 
 
 
 
 
 
Das Wetter am heutigen Morgen beginnt optimal. Strahlender Sonnenschein. Fahre ich nach dem Frühstück noch einmal die paar Kilometer zurück zu dem Gletschersee, um bessere Fotos von den schwimmenden Eisbrocken und dem Gletscherpanorama zu machen.
Oder wandern zum Wasserfall?
Erst einmal einen Müsliriegel futtern, bevor es ans richtige frühstücken geht. Auf einmal was war das ? Warum knirscht das so komisch in meinem Mund. Der Riegel ist aber auch verdammt hart! Im Bruchteil einer Sekunde merkte ich, dass mir ein Stück Zahn abgebrochen war. Das auch noch im vorderen gut sichtbaren Bereich meiner oberen Zahnleiste. Tausend Gedanken gingen mir schlagartig durch den Kopf. Zahn- gleich Zahnschmerzen- gleich Zahnarzt- wo hier (Reykjavik oder?) Spiegel- wie sehe ich aus. Im wahrsten Sinne des Wortes, mein Blick in den Spiegel des Waschraumes, "meine Fresse, wie siehst du denn jetzt aus". Ab nun bis nach Hause nur noch "Maul halten", jegliche menschliche Kontakte meiden und den absoluten Einsiedler (einsamen Motorradfahrer) geben.
Oder offensiv "Maul auf" und jedem erst einmal erzählen, dass ein gesunder Müsliriegel zu der optischen Verbesserung meines Gesichtsfelder beigetragen hat. "Oder hatte ich einen schweren Sturz mit meinem Bike auf einer dieser wilden Gravel -Pisten von Island?"
Da ich keinerlei Zahnschmerzen hatte, entschied ich dann jetzt und später bis nach Hause, diesen "Gesichtsverlust" zu ertragen und mich bei Begegnungen und Gesprächen mit Menschen unterwegs erklärend, bei der schlichten Wahrheit zu bleiben.
Meine Laune von erst einmal "Sonnenschein am Morgen", war nun sofort ganz, aber wirklich ganz unten.
Sämtliche Notfall-Müsliriegel flogen im hohen Bogen in den Zeltplatz-Container und zum Wandern hatte ich nun wirklich keine Lust. Einfach weg von diesem Ort. Der Kopf muss unter dem Motorradhelm versteckt werden und wenn Zahnschmerzen doch noch einsetzen, heißt das ab nach Reykjavik in einem Ritt - Zahnarzt- suchen.
 
 
 
Habe unterwegs dann oft Foto-Stopp gemacht. Die Landschaft ist wirklich toll und abwechslungsreich. Besonders das endlose Fahren vorbei an erkalteten Lavastrukturen, Lavafeldern. So was habe ich bisher noch nie gesehen.
 
 
 
 
 
 
In dem kleinen Ort Vik dann eine längere Pause und erneut Tank-Stop. Habe das Tanksystem immer noch nicht richtig begriffen: Also noch mal in Ruhe:
Geldkarte rein -PIN eingeben -Anzahl der Kronen eingeben(vorher Literbedarf ausrechnen) und Tanken. Verdammt, warum geht das nicht. Mein Fehler: als letzten Schritt muss man natürlich auch noch die Nummer der Tanksäule eingeben. Das war es, ab jetzt und heute habe ich "Tanken auf Isländisch" geschnallt!!!!
Zweiter Tag und schon wieder Geld holen, das auch noch. 15.000 isl. Kronen, Geldautomaten in Island sind einfacher zu bedienen als Tanksäulen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Nächster Halt auf dem Parkplatz vor der Urlauberattraktion Skogafoss, ein eindrucksvoller Wasserfall. Auf einer großen Wiesenfläche zwischen Parkplatz und Wasserfall auch ein Campingplatz. Meine anfängliche Idee, hier schlage ich mein Zelt auf und bleibe eine Nacht, habe ich nach Inspektion der Wasch und Toilettenräume sofort verworfen.
Durch den Massenansturm an Bus und PKW Touristen ist diese eigentlich zum Campingplatz gehörende Anlage völlig überstrapaziert.
So spät ist es noch nicht, also weiter fahren, ob sich ein besserer Platz für die Nacht findet.
Keine 20 Kilometer später erneut ein Zeltplatzzeichen an der Ringstraße A1.Nur wenige km rechts runter lande ich an einem Bauergehöft mit angrenzendem Campingplatz. Klein aber fein. Alles ok. und die Krönung: Der Campingplatz wird schützend halbseitig durch ein imposantes Felsmassiv eingegrenzt. Keine 200 m entfernt von meinem Zelt der Wasserfall Seljalandsfoss. Hier lässt es sich aushalten. Einziger Wermutstropfen. Eine Dose Bier, gekauft an der einzigen Möglichkeit vor Ort, der Camping-Rezeption, zu einem Preis von 1.000 Kronen (ca. 6 €uro) , für einen Deutschen gewöhnungsbedürftig.
Dann trinkt man ganz langsam und mit Genuss sein eines Bier, sitzend vor seinem kleinen Zelt und schaut auf den Wasserfall Seljalandsfoss und den Gleitschirmflieger im Himmel darüber, der hoch über den Felsenrücken seine Runden dreht und stellt fest:
 
                                      "Das Leben kann doch so schön sein!!!!!!!"
 
 
 
 
 
 

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  Seljalandsfoss - Selfoss - 35 - Kerid - Geysir - Gullfoss - 36 - Reykjavik

Heute nähere ich mich dem "Goldenen Kreis". Ausgangspunkt dieser Fahrroute eigentlich die Hauptstadt von Island, fahre ich über Selfoss südlich kommend auf die 35 in nördlicher Richtung weiter und befinde mich nun auf einem Teilstück des Goldenen Kreises.

Schon kurz hinter Selfoss macht mich ein Hinweisschild auf den Kerid - Kratersee aufmerksam und ich fahre bis auf den angrenzenden Parkplatz. Hier wird für den Zugang an den Kratersee Eintritt verlangt. Aber  2 €uro halte ich wirklich für angemessen. Man kann dann zu Fuß am Rand des gesamten Kraters gehen, wer will auch runter bis an das Wasser.

Erkaltete Lava - Formationen, Steine, verschiedenartige Gräser, Moose und Pflanzen, der ständige Blick auf den fast kreisförmigen Krater und kleinen See. Je nach Tempo und wie viele Fotos man glaubt machen zu müssen, hat man die Kraterumrundung zwischen 30 bis 60 min geschafft. Auch hier fällt mir wieder auf. Sehr wenig Touristen  unterwegs.

Obwohl die Ringstraße A1 ja die Hauptverkehrsader von Island ist, hat man oft das Gefühl, die Straße gehört einem alleine. Ab und an mal ein PKW (meistens Leihwagen mit Touristen) im Gegenverkehr, selten einmal ein LKW oder Bus. Und wo sind die vielen Motorradfahrer, die ich auf der Fähre gesehen habe und die doch auch unterwegs sein müssen?

Auf dem Parkplatz am Geysir sehe ich dann die drei BMW Motorräder der "Magdeburger" stehen. Die Jungs selber bekomme ich aber nicht zu Gesicht.

Hier das brodelnd heiße Wasser überall aus der Erde aufsteigend, Rauch und Wasserdampf.

Die verschiedenen Erd- und Felsfarben. Dann natürlich der Strokkur ("Butterfass"). Regelmäßig alle 5-7 min steigt eine imposante Wasserfontäne bis zu 20 Meter in die Höhe.

Lustig die vielen im Kreis stehenden Touristen mit ihren Fotoapparaten, wartend auf den einen kurzen Moment.

 

 

Mein POLYGLOTT- Reiseführer Island empfiehlt den nur einige Kilometer später angefahrenen Gullfoss- Wasserfall in den späten Nachmittagsstunden zu besuchen. Dann wenn die Sonne sehr tief steht. Zufällig erfüllen sich gerade diese Kriterien bei meiner Ankunft gegen 17 Uhr. Sonne auch, für Island nicht alltäglich, gerade sich ab und an durch Wolkenformationen bahnend. Ich staune über diese Wassermassen und laufe für ein gutes Foto in alle möglichen Richtungen nah oder ferner um und an den Gullfoss heran.

Auf einmal sogar einen imposanten Regenbogen fast über die gesamte Breite der abstürzenden Wassermassen. Großartig das zu sehen. Wirklich lohnenswert.

Nun bis Reykjavik sind es noch einige Kilometer. Leicht einsetzender Nieselregen, immer auch täglich kurzfristiger Begleiter. Bisher aber so, dass die Motorradklamotten nicht ganz durchnässten. Fahre durch ein Landschaftsschutzgebiet auf die 36 in Richtung Hauptstadt, schmale Straßen, beidseitig üppige Busch- und Baumvegetation, Wasser, kleine Seen.

Eigentlich könnte man hier erst einmal sein Zelt irgendwo aufschlagen. Der Regen und nun auch noch stärker werdende Wind trieb mich doch in die isländische Hauptstadt. Dass sich die Suche nach einem Zeltplatz in Reykjavik als so schwierig und zeitaufwändig erwies, wusste ich zu dieser Zeit noch nicht. Immer wieder fuhr ich an dem Zeltplatz inmitten der Stadt vorbei, da ich dieses Gebiet, gelegen an einem Sportstadion, nicht für zeltplatztauglich hielt.

Die Ausschilderung innerhalb der Stadt für den Zeltplatz eine Katastrophe.

Immer wieder gelangte ich in diese eine Straße. Es reicht. Bike abstellen und sich mal zu Fuß hier umsehen. Da ein kleiner unbefestigter Weg, rechts abgehend in Stadionrichtung, nach 100 m Gehstrecke einige Bau- Blechcontainer und tatsächlich hinter den Bäumen und Büschen stehen einige Zelte. Habe durch meine Motorradtouren ja so einige Campingplätze erlebt, aber für eine europäische Hauptstadt ist dieser Platz in Reykjavik wirklich "unterste Schublade". In diesem Moment aber war ich erst mal froh, endlich mein Zelt, trotz überteuerten Platzgebühren (Hauptstadtzulage?), für zwei Nächte aufzustellen. Reykjavik, eine Region, wo ca. 90 Prozent aller Isländer wohnen, braucht sicher etwas mehr Zeit.

Auch wunderte ich mich anfangs beim ersten Ablaufen der Zeltplatzörtlichkeiten, dass auf diesem Platz auffallend viele Jugendliche campen. Wenig Autos, keine Motorräder, außer meiner BMW. Als dann immer lauter werdende Musik aus Richtung Stadion herüber schallte, die dann die kommenden zwei Tage immer nur kurz aussetzte, war mir klar. He, du bist hier in einer der Kulturstädte Europas, bekannt auch unter anderem für ihre vielen Musikfestivals.

Findet wohl gerade nebenan eines statt. 24 Stunden keine Dunkelheit, also 24 Stunden Party.

Besonders angenehm, gegen 2 Uhr jeweils am Morgen, Ankunft der nächsten Flugzeugladung mit partybesessenen Jugendlichen. Zeltaufbau, Alkohol und viel Lärm.

Da ich aber aus der "Woodstockgeneration" glaube zu sein, bin ich natürlich tolerant, immer in Gedanken an alte Zeiten. "War'n ja auch mal jung!!!!!"

Und was können diese Menschen dafür, dass du "Alter Sack" dich hier mit deinem kleinen Zelt dazwischen stellst.

 

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Reykjavik - 43 - Blaue Lagune - Grindavik - Gunnuhver - Hafnarberg     (Vogelfelsen) - 425 - Brücke zwischen den Kontinenten

Bin doch sehr früh zu meiner geplanten Stadtbesichtigung aufgebrochen. Die Straßen von Reykjavik sind noch nicht sehr stark befahren. Bewege mein Motorrad bis direkt an die Hallgrimskirja, eine hoch emporragende, weithin sichtbare Kirche und idealer Ausgangspunkt, ab nun das Stadtzentrum zu Fuß kennenzulernen.

Parkplätze an der Längsseite der Kirche gibt es noch reichlich, also Motorrad abstellen, Kameratasche schnappen und ab. Glaube jetzt noch, dass ich für diese Stadt den gesamten Tag einplanen werde, um alles zu sehen.

Zuerst von der Kirche die Straße hinunter bis zum Hafen, dann viele Querstraßen immer im Zentrum hin und her, merke ich schnell: Alles doch recht überschaubar. Hier an diesem Haus warst du doch schon zweimal!

        

Kaffee-Pause, noch einmal meinen Stadtführer lesen. Was habe ich noch nicht gesehen? Etwas essen und wieder Kaffee - Pause. Bin nun genug gelaufen und sage mir: Es reicht, genug Stadt, genug Reykjavik. Bin eigentlich ein wenig enttäuscht, hatte mehr an schönen Straßen, Häusern, Architektur und nordischem Flair erwartet. Es ist erst kurz nach 12 Uhr, wo nun noch hin?

 

Zurück an meinem Motorrad der Entschluss, raus aus der Stadt und rein in die Natur. Meine Landkarte zeigt mir, dass die Blauen Lagunen nicht soweit von hier entfernt sind und ich die Süd- West- Landesspitze von Island in den verbleibenden Nachmittagsstunden noch gut erfahren kann.

Die Auffahrt auf die 41 ist schnell gefunden, die Ausschilderung gut und so geht die Fahrt vorbei an Hafnarfjördur in Richtung Keflavik. Vorher links auf die 43 abgebogen weiter in Richtung Grindavik. Erster Halt auf einem kleinen Rastplatz mit großen Hinweisschildern über diese Region. Beidseitig der Straße nur erkaltete Lavamassen, keine Vegetation. Überall Hohlräume unterhalb der aufgebäumten Massen an erkalteten Lavaströmen. Vor mir im Blick aufsteigende Rauchschwaden, das muss die Blaue Lagune sein.

Wenige Minuten später stelle ich das Motorrad auf den großzügig eingerichteten Parkplatz vor den Blauen Lagunen ab. Als einer der Tourismushöhepunkte von Island sind diese, als Nebenprodukt der industriellen Warmwassergewinnung entstandenen blauen Seen inmitten von endlosen Lava- Gesteins- Flächen, schon sehenswert. Gehe für viele Fotos zuerst alle zugänglichen Außenanlagen ab. Dann noch einen Blick in den Badebereich. Selber habe ich, gerade wieder in meinen schweren Motorradklamotten hier stehend, so gar keine Meinung auch in das Wasser zu gehen. Das werde ich hoffentlich noch in einen der zahlreichen "HOT SPOTS" dieser Insel, inmitten einsamer Natur, nachholen.

Das Wetter war heute wie oft bisher. Erst am Morgen Regen und starke Bewölkung, dann am Nachmittag leichtes Aufklaren. Die Sonne schafft es, bis in den Abend immer mal wieder durch die Wolkenfelder zu kommen. Nun, was gibt es noch hier im Umfeld? Ach ja, Vogelfelsen, Leuchtturm und die Brücke über die Kontinentalplatten Europa - Amerika. Fahre auf die 425 in Richtung Vogelfelsen, noch Bitumenstraße endet diese plötzlich an einem Schlagbaum- Straße gesperrt. Man kann aber einen nicht sehr gut ausgebauten Schotter und Splittpfad abseits fahren, um an die Vogelfelsen zu gelangen.

Wieder zurück auf die 425 will ich noch den Weg zu der Kontinentalbrücke finden. Gelingt erst nicht gleich. Aber was ist das für ein kleines Hinweisschild- 1,6 km "Gunnuhver", links auf diesen Schotterweg abfahren. Das machst du. Der Weg ist trocken, zwar sehr wellig und teilweise als solcher gar nicht erkennbar, aber 1,6 km, das schaffst du ! Mich erwartet eine brodelnde, rauchende, stinkende Erdfläche. In meinem Reiseführer war "Gunnuhver" nicht erwähnt. Um so überraschter war ich nun, was vor mir lag. Das ist Island, wie man es sich so vorgestellt hatte. Überall fauchte und zischte es, quoll Schlamm aus Erdlöchern.

Eine Farbenvielfalt innerhalb der Erdschichten. Über einen Laufsteg konnte man über bzw. vorbei an diesen heißen Flächen gehen und alles anschauen, ohne bei Temperaturen zwischen 80 bis 100 Grad sich die Füße zu verbrennen.

Obwohl mich die heißen Felder und Krater von Geysir am Vortage auch schon beeindruckt hatten, war das nun und jetzt der Höhepunkt meiner bisherigen Island Rundreise mit dem Motorrad. Hier spürte man unmittelbar, wie dünn und verletzlich doch unsere Erde ist und wir alle eigentlich nicht gerade auf standfestem Boden stehen.

Auf einem Schotterweg fahrend bis zu den Vogelfelsen und anschließend direkt am Leuchtturm vorbei wieder auf die 425, fahre ich auch noch zu der Kontinentalbrücke. Sie überspannt den Graben zwischen den Europa- und Amerika Kontinentalplatten.

 

 

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        Reykjavik - Borganes - Bifröst - Blönduos

     

 

Habe den gesamten Vormittag auf dem Zeltplatz vertrödelt und bin erst nach 12 Uhr aus Reykjavik rausgefahren. Noch will ich einfach hinaus aus der Stadt und habe kein Tagesziel.

Die A1 Richtung Norden ist schnell gefunden. Am Hvalfjördur angekommen zwei Möglichkeiten:

Gerade aus durch einen Tunnel oder rechts ab auf die den Fjord umgehende 47 mit über 60 km Länge. Entscheide mich spontan für die Tunneldurchfahrt. Bei einem Preis von nur 200   isl. Kronen, also gerade einmal knapp über einem Euro, wohl die richtige Wahl.

Einsames Fahren in einer einsamen Landschaft ist wieder angesagt. Ab und an ein PKW, überhaupt keine Begegnung mit einem anderen Motorradfahrer. Ein- oder beidseitig der Straße Gebirgszüge, weite Landschaft und immer mehr werdende Grün-und Weideflächen. Ab und an ein einsam gelegener Bauernhof im Abstand von fünf bis zwanzig Kilometer zu seinen Nachbarn.

 

Sehe vor mir einen Gebäudekomplex unmittelbar an der A1 gelegen. Halte auf dem Parkplatz an und entscheide spontan. Hier gibt es was zu essen und zu trinken. Soll ja hierzulande nicht ganz billig sein, aber du bist nun bereits einige Tage in Island unterwegs und hast dir noch nie am Tage ein vernünftiges Essen gegönnt.

Noch bin ich dabei, meine Sachen am Motorrad zu ordnen, da hält neben mir ein Urlauberpaar aus Frankreich an. Das Auto, ein Leihwagen, wohl erst heute in Reykjavik übernommen.

Der Fahrer schaut sich hilflos um. Er bekommt die Fahrzeugschlüssel nicht aus der Zündung abgezogen. Bittet mich in einem gebrochenen Englisch um Hilfe. Ich schaffe es auch nicht, die Zündschlüssel abzuziehen. Wo ist hier der Trick? Bin genau so ratlos wie der Franzose. Finde, dass man bei Wagenübergabe wohl solche Sachen dem Fahrer zeigen sollte. Eine Gebrauchsanweisung ist auch nicht im Auto vorhanden. Naja, der Fahrer ruft nun bei der Autovermietung an und bekommt wohl den Gebrauch des Zündschlüssels erklärt. Zehn Minuten nach mir betritt auch dieses Urlauberpaar gestresst das Restaurant. Wir drei sind die einzigen Gäste.

Um es kurz zu machen: Das aus drei Gängen bestehende Tagesmenü (Suppe, Hauptgericht, Nachspeise und eine Cola dazu) geschmacklich sehr gut, aber von der Menge für einen 1,94 m großen Kerl sehr übersichtlich.Der Schock dann beim Bezahlen : 5.100 isl. Kronen, umgerechnet 34 €uro. Es war hier alles sehr schön. Danke für die freundliche Bewirtung, aber dieses wird ein einmaliges Erlebnis für mich auf Island bleiben.

Wieder ab und an vorbei an einem einsam gelegenen Bauernhof, sehe ich endlich einmal eine Herde der berühmten Islandpferde. Auf der daneben befindlichen Wiese angrenzend an das Bauerngehöft fährt der Bauer mit seinem Traktor und wendet Gras zum Heu machen.

 

Die Pferde sind sehr zutraulich und ich kann viele Fotos machen.

Nachdem ich nur zwei Minuten nach dem Halt am Bauernhof erneut anhalten will, wegen Landschaftsaufnahmen, entdecke ich auch ein Kilometer- Hinweisschild an der A1.

Nun ertscheide ich mich bis Blönduos noch weiter zu fahren. Finde dort sofort einen sehr guten privat geführten Campingplatz. Wie immer von wenig Campern belegt und viel Platz für sich.

Baue in Ruhe mein Zelt unmittelbar am Rand einer Hecke auf. Werde auf einmal von der Seite angesprochen. Werner, ein Motorradfahrer, den ich auf der Fähre bereits kurz kennengelernt hatte, auch auf diesem Platz. Er hat aber eine Hütte gemietet und so komme ich am Abend und am nächsten Morgen zu dem Privileg des Benutzens eines Tisches und Stuhls beim Essen und was besonders wichtig ist, Stromanschluss. (Spiegelreflexkamera, Videokamera, I-Pad, Handy)

Was das betrifft, habe ich, trotz meiner vielen Motorradtouren-Erfahrungen, ja immer noch keine Lösung  gefunden, unabhängig von Strom aus Steckdosen unterwegs zu sein.  Das heißt also Laden über Motorradbatterie. Mein erster und einziger Versuch, die Videokamera mittels vorhandener Steckverbindung am Motorrad zu laden, hat nie wirklich funktioniert.  

Endlich einen "Gleichgesinnten" zum Quatschen. Werner gehört zu den Motorradfahrern von der Fähre, die entgegen Uhrzeigersinn die Insel befahren. Er will also noch dahin, wo ich schon war und umgekehrt. Dadurch gab es viel auszutauschen und an Hand meiner Islandkarte  Routen abzustecken. Woher, wohin, was hast du bisher gesehen, was hast du noch vor?

Meinem Zelt gegenüber zwei kleine Zelte, bereits bei meiner Ankunft aufgebaut, erschienen nun zwei Motorradfahrer mit ihren Enduros. Genau solche Maschinen, mit denen ich auf Grund ihres geringeren Gewichtes hier auf Island lieber unterwegs gewesen wäre. Aus meiner Sicht, optimaler für die vielen Gravel- und Schotterpisten.

Zu viert standen wir anschließend um meine Islandkarte herum und die beiden einheimischen Motorradfahrer gaben mir sehr viele Tipps und Ratschläge für meinen weiteren Routenverlauf. Wo kann ich mit meiner 1100 GS auch in das Landesinnere fahren und welche Straßen sollte ich lieber meiden. Dankbar nahm ich jeden Hinweis an, merkte ich doch schnell, diese beiden Isländer sind erfahren und ehrlich.

Werner (Der Mann mit dem starken Vogtland-Dialekt. Ich musste oft sehr konzentriert zuhören, um alles zu verstehen) verabschiedete sich früh am Morgen, gab mir den Schlüssel für seine Hütte, mit der Bitte, dass ich diesen dann vor Verlassen des Campingplatzes bei der Rezeption abgeben möchte. Was später bei dem älteren Herrn in der Rezeption für große Verwirrung sorgte. Mir hatte er doch einen Zeltplatz zugewiesen.Warum gebe ich nun einen Hüttenschlüssel zurück? 

Noch schnell ein Foto vom abfahrenden Werner. Jetzt aber so richtig gemütlich in der Hütte machen.
War Werner sehr dankbar für seinen Vertrauensbeweis, mir die Hütte bis zum Mittag zu überlassen. Duschen, Lesen, Schreiben meiner bisherigen Island-Eindrücke. Vergaß ganz, dass ich auch noch ein Zelt wieder abbauen muss und das Motorrad beladen, bevor es wieder weiter geht.

Mein nächstes Tagesziel: Von der A1rechts auf die F 35 und fahren bis zu den heißen Quellen von Hveravellier.

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       Blönduos - A 1 - 731 - 732 - F 35 - Hveravellir (Hot Spot)   

Auch heute komme ich wieder erst nach 12 Uhr vom Campingplatz los.Der Zeltplatzchef schaute mich irritiert an, als ich ihm den Schlüssel von Werners Übernachtungshütte in die Hand drückte.

Das Wetter war angenehm und so ging die Fahrt auf der A1 in östlicher Richtung weiter.

Habe mir vorher genau meine geplante Tagesroute auf der Karte gekennzeichnet und die Abfahrt 731 auch sofort gesehen. Rechts runter auf diese Gravelpiste. Ging aber in diesem Moment nicht. Ein Lkw kam mir entgegen und versprühte aus einem Tank gleichmäßig Wasser auf die Piste. Vorher hatte ein anderes Fahrzeug so eine Art Kalk oder Zementpulver auf die Fahrbahnflächen gestreut.

Da willst du jetzt rauf mit deinem schweren Motorrad? Die Straßenfläche aus dem Wasser-Kalk Gemisch sah auf den ersten Blick mehr als glitschig aus. Zum Wenden fuhr das Tankfahrzeug an mir vorbei. Ich sah den Fahrer an, zeigte auf mich und mein Motorrad, dann auf die Gravelpiste. Er verstand, was ich meinte und nickte nur mehrmals. Also ich kann da auch mit einem Motorrad rauf? Hoffentlich hat er recht.

An die 20 bis 30 Kilometer immer auf der augenscheinlich günstigsten Fahrspur, mal kleinere mal größere Löcher oder Rinnen ausweichend, war es dann doch nicht wie befürchtet rutschig. Dann der Übergang auf die noch nicht bearbeitete Gravelpiste F 35. Mein Tagesziel Hveravellier, Hot Spot. Noch ca. 90 km Gravelpiste, in mehr als einsamem Umfeld, liegen noch vor mir. Mir kommen immer mehr Zweifel, ob es die richtige Entscheidung war, die Bitumenstraße A 1 zu verlassen. Der nun immer wieder einsetzende Regen stört mich beim Fahren weniger. Aber der stärker werdende Wind, mal von vorne, dann schlimmer robust von der Seite, macht mir sehr zu schaffen. Der wechselde Straßenzustand fordert volle Konzentration. Bei Steigungen immer wieder ausgespülte Abschnitte mit lockerem Geröll, dann Splittnester. Bleibe oft stehen. Mache immer wieder eine Pause. Immer wieder der Gedanke, du darfst dich hier in dieser Einsamkeit nicht mit deinem Motorrad hinlegen. Einzige Begegnung bisher, zwei mir entgegenkommende PKW. Das obwohl ich nun bereits drei Stunden unterwegs bin.

Endlich vor mir einige Wegweiser so inmitten dieser wüstenartigen Geröll- und Staublandschaft. Würde ich jetzt weiter südlich fahren, wären es noch ca. 90 Kilometer bis zum Geysir bzw.Gullfoss und ich hätte Island fast einmal vom Norden zum Süden gequert. Nein, ich habe genug von dieser Straße und freue mich im Moment nur über das Schild Hveravellir, 2 km.

Am Parkplatz vor den heißen Quellen einige PKW. Auffallend die schweren Geländefahrzeuge der Einheimischen.

Ja, damit die landesinneren Gravelpisten zu befahren, ist wohl doch etwas komfortabler als mit einer 260 kg einspurigen BMW 1100 GS.

 

Brauche nach dieser Anfahrt sofort ein Bier, bevor es an den Zeltaufbau geht. Auf dem angrenzenden Zeltplatz nur zwei weitere Zelte. Auch bin ich hier der einzige "Motorrad-Bekloppte".

Zwei Jugendliche betreuen Rezeption und Gästehütte. Bezahle Zeltplatz für eine Nacht plus ein Bier. Die 6 Euro für eine Dose stören mich in diesem Moment überhaupt nicht.

Der Zeltaufbau erweist sich als sehr schwierig, da der Wind immer mehr zunimmt. Muss mehrere Spannseile vor dem eigentlichen Aufbau mittels Heringe in den Boden verankern, da immer wieder das gesamte Zelt wie ein Drache nach oben steigt.

Geschafft, Zelt steht neben dem kleinen Bachlauf. Das abfließende Wasser immer noch sehr warm. Nur 100 m weiter der Hot Spot und das Warmwasserbecken, in dem gerade viele Menschen baden.

 

Bleibe ja eine Nacht, es ist hier 24 Stunden hell. Werde also hoffentlich noch Gelegenheit zum Baden haben, ohne wie ein "Hering an den anderen gereiht" dort im Wasser zu sitzen.

Gehe auf den Holzstegen entlang und schaue auf die brodelden Flächen, mit heißem Wasser gefüllte Erdlöcher und dem überall aus der Erde kommenden Rauch. Die Farbenvielfalt einzelner Erdschichten ist aufregend.

 

 

 

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                  Hveravellir - Varmalid - 76 - Siglufjördur - 82 - Dalvik - Akureyri

Am nächsten Morgen um vier Uhr das Badebecken immer noch gut besucht. Erst um sieben Uhr tauche auch ich dann hinein und genieße Islands Ruhe und natürliche Wärme. Leider schon wieder mit dem Nebengedanken, diese Gravelstraße F 35 in Richtung A1 Retour fahren zu müssen.

Mein ärgster Fahrgegner, der Wind, hat sich gelegt und ab und zu kommt sogar die Sonne zum Vorschein. Nun weiß ich auch, was mich für Pistenabschnitte erwarten. Ganz im Gegensatz zu gestern war die Fahrt mit dem Motorrad die 100 km zurück ein großer Spaß. Viel beherzter am Gas, Geröllpassagen und ausgespülte Steigungen oder Senken mit mehr Tempo durchgefahren. Auf geraden langen Passagen auch oft mit über 100 km/h unterwegs, war ich nach nur einer Stunde Fahrzeit wieder auf der A 1.

Im Gegensatz zu den letzten beiden Tagen war ich heute schon sehr früh in Gange gekommen und um nicht einmal acht Uhr wieder auf der Ringstraße. Es soll bis Akureyri gehen, aber weiter auf der A1 wäre ich viel zu früh dort.

Entschließe mich noch weiter nördlich auf der 76 bis Siglufjördur dann auf der 82 bis Dalvik, anschließend nach Akureyri zu fahren. Immer mit Blick auf den Skagafjördur linksseits und rechter Hand noch teilweise schneebedeckte Gebirgszüge bis Siglufjördur. Dann wieder südwärts am Eyjafjördur entlang, erste längere Pause in Dalvik. Schaue mir den Hafen und einige typische Häuser an, dann weiter.

 

Der Tag verlief insgesamt nicht sehr spektakulär, die Straßen waren gut zu befahren.Wieder keinem einzigen Motorradfahrer begegnet. Der Campingplatz in Akureyri leicht zu finden, dann auch noch viel Zeit zum Einkaufen und Besichtigung des Umfeldes des Campingplatzes. Zum ersten Mal meiner bisherigen Islandtage sind auf diesem Platz viele Camper und Zelte. Akureyri ist ein wirklich kleines hübsches Städchen, wunderschön am Rand des Eyjafjördur gelegen.

 

 

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      Akureyri - Godafoss - 845 - 85 - Husavik

 

Am Vormittag noch in aller Ruhe eine Stadtbesichtigung des Zentrums von Akureyri. Alles sehr übersichtlich und schnell erlaufen.

 

Wieder ein Teilstück auf der A1 bis zum Wasserfall Godafoss. Habe mir dort wirklich viel Zeit für Fotos und Filmaufnahmen genommen. Da es um die Mittagszeit war, wollte ich noch etwas essen und einen Kaffee trinken.

Mein Motorrad hatte ich direkt an dem kleinen Cafe geparkt.

An einem der Außentische bei meinem Kaffee sitzend, sprach mich ein amerikanischer Tourist an. Er hatte mein Motorrad gesehen und war ganz begeistert. Stellte viele Fragen über meinen Islandtrip, woher ich komme? Wie habe ich die Maschine nach Island transportiert? usw.

Ausschlaggebend mich aber anzusprechen waren meine Aufkleber an den Aluboxen über die USA Motorradreise von Los Angeles bis Miami. Diese Tour interesierte ihn besonders. Seine Frau gesellte sich auch noch zu uns und wir hatten über eine halbe Stunde ein angeregtes Gespräch.

Kurze Zeit später fuhr ich von der A1 links runter auf die 845 in nördlicher Richtung, dann auf die 85 noch bis zur Hafen- und Walhauptadt von Island, bis Husavik.

Es war noch früher Nachmittag, hatte immer wieder mal kurz geregnet, aber nie sehr lange und man war daran eigentlich schon gewöhnt.

Konnte mein Motorrad direkt auf dem Parkplatz vor den Kassenhäuschen der Walewatching-Bootstouren-Anbieter abstellen. Kaufte gleich für 64 € ein Ticket für 15 Uhr. Laut Werbung geben die hier ja eine Walesichtungsgarantie von 100 Prozent und da hoffe ich doch, dass sich die 64 €uro wirklich lohnen!

Eine Stunde mit dem Schiff hinaus in die Bucht, eine Stunde warten und beobachten, dann eine Stunde zurück in den Hafen.

 

Enttäuscht wurde ich nicht. Es hatte sich gelohnt. Immer wieder kamen Wale an die Wasseroberfläche und es gab ein AHHHHHHH und OHHHHHH auf dem Deck. Für mich besonders unterhaltsam die drei isländischen Kinder und ihre Mutter neben mir. Ich hatte viel Zeit der isländischen Sprache zuzuhören. Nach der Erkenntnis, dass ein korrektes Ausprechen der Ortsschilder Islands einem Deutschen sehr schwer fällt, braucht man wirklich nicht zu glauben, dass unsereiner den isländischen Redeschwall von minderjährigen Knaben bei einer Walsichtung nur andeutungsweise verstehen kann.

So noch einige Lebensmittel einkaufen und dann den örtlichen Campingplatz finden. Gehe in die Kaufhalle hinein und sehe den jungen Mann in Motorradklamotten vor mir. Chris aus München. Hatte ihn bereits auf dem Parkplatz vor der Fährauffahrt und anschließend auf der Fähre mehrmals getroffen und gesprochen. Er hat drei Wochen Zeit für seine Islandreise, fährt wie auch Werner entgegen Uhrzeiger. Das bedeutet unsere Begegnung heute auch nur einmalig, da wir ab Morgen in gegensetzlicher Richtung unterwegs sein werden.

Chris beschreibt mir den Weg zum Campingplatz von Husavik. Es war gut, sich über die jeweils bisher erlebten Reiseeindrücke auszutauschen. Ab Morgen geht wieder jeder seinen eigenen Weg. Das war mir inzwischen klar, wer allein in Island anreist, der ist auch allein hier unterwegs.

 

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                     Husavik - 87 - Reykjahlid - (Myvatn)

Es sollen heute nur ca. 60 Straßen- Kilometer werden. Ich möchte mein Zelt am Myvatn (Mückensee) aufbauen und von dort aus zwei Tage das Umfeld mit oder ohne Bike erkunden. Nach Vorinformation in meinem Reiseführer gibt es rund um den Myvatn viele lohnenswerte Reiseziele.

Die ersten Kilometer heraus aus Husavik geht es auf der 85 noch auf Bitumenbelag. Dann die linksseitige Abfahrt auf die 87, der sofortige Übergang auf eine Gravel-Schotterstraße bis zum Zielort. Aber sehr gut und problemlos auch mit dem Motorrad zu befahren.

Ein letzter Pausenstopp kurz vor Einfahrt in den Ort auf einer Anhöhe .Die Landschaft unterwegs einfach grandios. Der Panoramablick auf Reykjahlid, den dahinter liegende Mückensee, Vulkane und weite bizarre Lavagesteinsfelder, unvergessen.

Die Lage des Campinplatzes direkt am Ufer des Sees einfach Klasse. Einkaufmöglichkeit, Tankstelle, Touristeninformation, alles hier nebeneinander. Ich bezahle gleich für zwei Nächte, möchte nun endlich auch einmal so ganz ohne Gepäck mit dem Motorrad rund um den See fahren und nun auch auf kleine Wanderungen gehen. Seit Beginn der Motorradreise ärgere ich mich täglich über meine sperrigen Wanderschuhe in der Alubox. Diese nehmen viel Platz weg und es kann und darf nicht sein, dass ich diese völlig umsonst meine gesamte Islandsreise transportiert habe.

Warum der See den Namen Mückensee hat, merkte ich sehr schnell schon beim Zeltaufbau. Tausende Mücken schwirrten ununterbrochen um einen herum. Ein Glück, es waren keine Stechmücken. Dauerndes Aufpassen trotzdem angesagt. Mund, Nase, Ohren und Augen boten für diese kleinen Zuckmücken genug Angriffsfläche.

Hoffentlich haben die im Laden oder der Tankstelle diese Mückenschutzhüte mit Netz. Die neben meinem Zelt gerade eingetroffene Busladung französischen Wandertouristen war da besser ausgestattet. Kaum aus dem Bus ausgestiegen, setzten alle ihre Schutzhüte auf und ich sah nur um mich herum gesichtslose Menschen.

Habe vor Ort keinen Mückenschutzhut bekommen und mich dann einfach der Tatsache gestellt:                    "Einmal kurz den Mund auf - Ergibt ca. fünf verschluckte Mücken ohne Geschmack. Kopf immer gesenkt halten und wenn möglich wenig Haut zeigen und sich nicht zuviel waschen. Hält die vielleicht auch auf Abstand?"

Zelt steht, alle Klamotten drinnen verstaut. Der Tag ist noch jung und ab zur ersten Seeumfeld-Erkundung.

Station 1 : Die Lavagebilde von Dimmuborgir. Überbleibsel eines vor ca. 2500 Jahren plötzlich verschwundenen Lavasees.

Station 2: Krater Hverfell, grandioser Weitblick auf See und Landschaft. Man muss nur bis zum Kraterrand hochstiefeln, um diese Sicht zu genießen.

Station 3: Grjotagja, Warmwasserhöhle. Als ich mit dem Motorrad heranfuhr, erblickte ich einen aus den Felsen herauskriechenden nackten Mann. Sicher ein Einheimischer. Mein erster Blick in den Einstieg und auf die tief liegende Wasseroberfläche im Höhlenraum, sagt mir sofort: Nein, da gehst du auf keinen Fall rein. Das Warnschild vor der Höhle und die vielen Risse und Spalten oberhalb der Höhle bestätigen meine Befürchtungen: Betreten nur auf eigene Gefahr !!!

Station 4: Jardbödin, blaue kleine Badeseen inmitten einer grandiosen Vulkan- und Lavalandschaft.

Bin heute wirklich nicht allein und einsam auf diesem Campingplatz. Waren am Nachmittag noch große Grasflächen frei, so ist am Abend der gesamte Platz mit Zelten belegt. Die meisten Urlauber, mit Bussen angereist, sind hier zum Gruppenwandern unter Führung eines Tourguide. Und da sind auch noch die vielen eigentlichen Besitzer des Myvatn: Enten. Entenfamilien marschieren auf Futtersuche in alle Richtungen hemmungslos an den Zelten vorbei.

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 Myvatn - Seewanderung um die Pseudokrater,      Namafjall, Leirhnjikur - Krafla

 

Mein erstes Tagesziel: Einmal mit dem Motorrad rund um den 37 km² großen Mückensee fahren. Das Motorrad abstellen und ausgedehnte Wanderungen zuerst um die Pseudokrater nahe Skutustadir. Gesagt, getan, fand sich nach nur fünf Fahrminuten an der östlichen Seeseite der passende Parkplatz. Kameraausrüstung und Stativ geschultert unternahm ich eine mehrstündige Wanderung vorbei an diversen Pseudokratern, immer an den Ufern des Sees entlang. Das Wetter spielte mit und mir gelangen sehr viele schöne Landschaftsaufnahmen.     

Da ich keinen Mückenschutzhut aufhatte, waren die einem ununterbrochen ins Gesicht fliegenden Schwärme der einzige Störfaktor in diesen Stunden.

Dann einige Kilometer weiter auf der A1 war der See schnell umrundet und vor mir lag wieder der Ort  Reykjahlid.

Erneuter Halt kurz vor der Kirche. Überall um mich herum erkaltete Lavamassen, die bei dem Vulkan-und Lavaausbruch 1792 des Eldhraun erst kurz vor der Kirche haltmachten.

Nur einige Minuten später erreichte ich den Parkplatz vor Namafjall. Aus der Erde steigender Rauch, starker stinkender Geruch. Am Fuße des Berges ein großes Solfatarengebiet. Überall blubbernde Schlammlöcher und vielfarbige Mineralienablagerungen.

Danach einen kurzen Abstecher runter von der A1 auf die 863 nördlich bis zum Parkplatz vor dem Leirhnjukur- Lavagebirge. Um dieses Gebiet zu betreten, muss man Eintritt bezahlen. Lohnt sich wirklich. Immer einen vorgegebenen Wanderweg entlang, vorbei an einem vielfarbigen Kratersee, hoch bis auf die Bergspitze. Beidseitig des Weges steigt immer wieder Rauch aus den Felsen.Teilweise werden einem die Füße warm. Nicht vom Wandern, sondern von dem warmen Gestein um einen herum. Oben angekommen bietet sich einem ein grandioser Blick über die weite umliegende Vulkan -und Lavalandschaft. Ein für mich sehr bleibender Eindruck.

Das ist hier das Island, das ich mir  so vorgestellt hatte und meine Erwartungen wurden rund um den Myvatn mehr als erfüllt. Hat man nicht so viel Zeit zur Verfügung, dann kann man seinen Islandaufenthalt wirklich nur auf diese Region beschränken. Ich würde zukünftig gerne noch einmal hierher zurückkehren, um einige der regionalen Wanderwege abzulaufen. Nun wurde mir auch klar, weshalb auf dem Zeltplatz so viele Wandertouristen eintrafen.

Der Tagesabschluss: Nun noch zum Krafla-Kratersee. Motorrad am Fuße des Krater abgestellt und wieder ein langer Marsch bis zum Kraterrand hinauf. Ja, was macht man nicht alles für ein gutes Foto!!

Für heute reicht es an Wanderkilometern. Zurück zum Zeltplatz und morgen weiter auf die 862 nördlich mit erstem Ziel, den Dettifoss, den wasserreichsten Wasserfall Europas.

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Reykjalid - 862 - Dettifoss - 864-Jökulsargljufur Nationalpark - Asbyrgi

 

Vor sieben Uhr morgens fahre ich noch einmal die wenigen Kilometer bis zum Krater Dimmuborgi. Gehe den Weg hinauf bis zum Kraterrand und habe nun einen grandiosen Blick in das Kraterinnere, über den Myvatn und die angrenzende Krater- und Vulkanlandschaft.

Von der A1 abbiegend geht es auf die 862 nördlich. Bis zum Parkplatz , vor dem Zugang zu Europas wasserreichstem Wasserfall ,ist die Straße asphaltiert. Schon von weitem erkennt man an der hohen Menge  aufsteigender Gischt, wo sich der Dettifoss befindet.

Es besteht auch noch die Möglichkeit, entlang des Flusses zu wandern und weitere Wasserfälle zu erreichen. Nach meinen gestrigen umpfangreichen Fußmärschen habe ich aber heute keine Lust dazu.   Gehe zum Parkplatz zurück. Sehe dort eine BMW GS 1200 mit kanadischem Kennzeichen. Also andere sind hier in Island mit noch mehr Gepäck und noch mehr Motorrad-Kilogramm unterwegs. Gegen diese Maschine sieht meine GS 1100 dann fast leichtgewichtig aus. 

Fahre dann mit meinem Motorrad auf die 864, die schlagartig von Asphalt auf Gravel wechselt. Nun ist wieder einsames Fahren angesagt. Die Gravel-Schotterstraße führt durch den Jökulsargljufur Nationalpark. Ein kleines Hinweisschild am Wegesrand weist auf eine ca. 5 km entfernte Sehenswürdigkeit hin. Fahre von der 862 rechts runter und lande nach einigen Kilometern auf einem kleinen Sackgassenparkplatz. Von hier ab nur zu Fuß weiter. Aber wo soll hier nun die Sehenswürdigkeit sein. Mein Reiseführerbüchlein kann mir keine Antwort darauf geben. Erst einmal immer den seitlichen Hinweisschildern nach, wollte und wollte der Wanderpfad nach unten kein Ende nehmen. Brauchte über eine Stunde bis an den Rand eines durch das Tal fließenden Flusses. Hier ist wirklich Wildnis pur. Felsen, Bäume, Gestrüpp und weiter Blick auf ein riesiges Felsmassiv, imposant geradlinig nach oben ragend.

Dieses Felsmassiv ist wohl die Sehenswürdigkeit?

Zwei bis drei Stunden später erreichte ich Asbyrgi, mein heutiges Tagesziel.Tankstelle, Einkaufsmöglichkeit und Touristeninformation an einem Platz. Aber wo soll hier der Campingplatz sein?

In der Information nachgefragt bekam ich schnell mit, dass der Stellplatz für den Campingplatz hier zu bezahlen ist. Der Platz selbst befindet sich einige Kilometer weiter. Wieder einmal ein riesengroßer Campingplatz, aber fast keine Camper. Mit mir nur noch ein polnisches Ehepaar mit ihren zwei Kindern und zwei deutsche Fahrradfahrer.
Dafür die Lage aber top direkt am Rande des hufeisenförmigen bizarren Lavagebildes. Bis zu 100 m hohe Felswände umrahmen dieses Tal Asbyrgi.

 

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Asbyrgi - 85 - Kopasker - 870 - Raufarhöfn - 875 -  Raudanes - Porshöfn - 85 - Vopnafjördur -A1- Skjöldolfsstadir

Der Gravel-Schottertag, der Tag der Winde. So habe ich diesen Motorradtag von Island in Erinnerung. Für mich ungewöhnlich werde ich bereits um vier Uhr am Morgen wach und krieche aus meinem Zelt. Lasse mir dann aber doch viel Zeit für Duschen, Frühstück, Zeltabbau usw.. Um sieben Uhr fahre ich dann los. Dass ich auf der Straße um diese Zeit überhaupt keine Fahrzeugbegegnung hatte, brauche ich wohl nicht extra betonen. In Island kann man wirklich allein unterwegs sein.

An einer schönen kleinen Holzkirche mein erster Pausenstopp und ein ausführliches morgendliches Telefonat mit meiner Frau. Immer nur einsam und so ohne jegliche Kontakte auf Dauer auch nicht gesund.

Waren die ersten Kilometer von Asbyrgi in Richtung Kopasker noch  Bitumenstraße, änderte sich das weiter nördlich schnell. Ununterbrochenes Fahren auf Schotterstraße ab nun aktuell. War inzwischen an dieses Straßenprofil gewöhnt und angepasst, aber der immer mehr zunehmende Seitenwind machte mir sehr zu schaffen.

Was für ein Wunder, ich sehe Isländer:

Links im Blick das Meer, rechts der Straße Steine und Geröll. Monotone Landschaft und eigentlich nur Kilometer schrubben.

In Raufarhöfn noch einmal Tanken. Geld holen nicht möglich. Bank ist heute zu. Island bedeutet planvoll unterwegs zu sein und solche Dinge zu beachten.

Bleibe für eine Pause auf einem hochgelegenen Schotterparkplatz stehen. Der Blick in Richtung Meer und Tal ist grandios. Der Wind aber inzwischen so stark, dass ich Angst bekomme, meine auf dem Seitenständer abgestellte BMW droht umzukippen.

 

Viele Parkplätze in Island haben regionale Werbeschilder am Rande stehen und so sehe ich, dass in einigen Kilometern der Ort Raudanes ( Vogelfelsen) ein Abfahren von der Hauptstraße lohnt.
Mein Mut, einfach rein auch auf ungewöhnliche Wege zu fahren, ist inzwischen merklich gestiegen.
Runter von der 875 geht es immer abenteuerlicher auf einen als Straße eigentlich nicht mehr erkennbaren Pfad.
Plötzlich ein Schlagbaum - Privateinfahrt - Blick auf das Meer. Umkehren und dann finde ich doch den kleinen Parkplatz für den Zugang zu den Vogelfelsen. Anschließend strapaziöse Kilometer Wanderung und Klippenabstieg zu den Vogelfelsen. Hat sich aber wirklich gelohnt.

Die Weiterfahrt bis zum abendlchen Campingplatz wurde dann für mich sehr grenzwertig. Das Motorradfahren auf Gravelbelag bei ständig sich wechselnden heftigen Winden, wurde dann zu einer Grundsatzfrage :
Warum tust du dir das an?
Komisch, kaum hat man einen versehentlichen "Hafen" erreicht (für mich der Zeltplatz Skjöldölfsstadir), sind die Strapazen des Tages schnell vergessen. Ein Kaffee, eine Dose Bier und die Welt ist wieder in Ordnung.

Der Mensch braucht wirklich nicht viel, um glücklich zu sein!!!!!!

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                        Skjöldölfsstadir - Egilsstadir - Bakkargerdi

Noch zwei Tage bis ich auf die Fähre muss. Von meinem derzeitigen Standort bis zum Zentrum des östlichen Inselteils Egilsstadir sind es ca. noch 60 km auf der A1. Der Ort ist mir bereits von der Ankunft auf Island bekannt.

Heute morgen scheint sogar ab und an die Sonne. Der starke Wind hat etwas nachgelassen. So richtig ein weiteres Ziel habe ich nun nicht mehr. Auf keinen Fall den gesamten Tag, so wie gestern, ununterbrochen auf dem Motorrad fahren.

Im Zentrum von Egilsstadir am Parkplatz vor der Kaufhalle das Motorrad abgestellt, laufe ich erst einmal ziellos umher. Stehe vor einem Cafe mit WIFI Internetzugang. Nach zwei bis drei Stunden Internetnutzung, Mailbearbeitung usw. und vielen Tassen Kaffee, der Entschluss, doch noch nach Bakkagerdi zu fahren. Burkhard aus Duisburg hatte mir seine Stationen gesendet. Er war ja nur eine Woche in Island unterwegs und nun schon wieder seit einer Woche zu Hause. Ein Tipp von ihm: Bei Bakkagerdi soll es Vogelfelsen geben, wo man sehr nahe an Papageientaucher zum Beobachten und Fotografieren herankommen soll.

Verstaue gerade meine eingekauften Lebensmittel und Getränke in die Alukisten, da kommen zwei BMW GS auf den Parkplatz gefahren. Die Fahrer Matthias und Josef aus Ingolstadt, hatte ich auch kurz auf der Fährüberfahrt nach Island kennengelernt. Beide haben drei Wochen Island geplant, also noch eine ganze Woche Zeit. Auf Grund der sehr schlechten Wettervoraussagen für den nördlichen Inselteil wollen beide nun gen Süden.

Wir tauschten uns noch kurz über unsere bisherigen Reiserouten aus und ich verabschiedete mich dann in Richtung Bakkagerdi. Auf der 94 anfangs noch Bitumenbelag, dann wieder Schotterstraße, aber gut zu fahren. Etwas aufgeregter dann aber die Gebirgsüberquerung am Schluss, um an den Hafen von Bakkagerdi zu kommen. Steigungen, enge Kehren und das alles auf Gravel-Schotterbelag. Aufatmen als das geschafft war und ich von weitem den kleinen Ort und die Holzkirche sah.

Der Zeltplatz war schnell gefunden. Keine 10 Minuten später trafen auch die beiden Ingolstädter ein.
Erst eine kleinere Ortsbesichtigung und dann noch die 5 Kilometer bis zu den Vogelfelsen. Matthias und Josef waren schon eifrig beim Fotografieren.

 

Es hatte sich wirklich gelohnt, dort hinzufahren. Alle Touristen hier auf der Jagd nach den schönsten Papageientaucherbildern.

 

Gegen Abend veränderte sich schlagartig das Wetter. Der Wind wurde stärker und es peitschten extreme Regenschauer auf das Zelt. Die angekündigte Schlechtwetterfront des Nordens hatte Bakkagerdi erreicht.

Noch nahm ich das gelassen in der Hoffnung wird schon nicht so schlimm und morgen sieht die Welt schon wieder anders aus.

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           Bakkagerdi -  94 - EgilsstadirSeydisfjördur - Fährhafen

 

In der letzten Nacht und auch nun in den ersten Morgenstunden zeigt sich Island dem Camper und den Motorradreisenden von seiner härteren Seite. An Schlaf im Zelt war nicht zu denken. Der immer wieder auf die Zeltoberfläche prasselnde starke Regen war noch harmlos, aber der Wind wurde immer heftiger. Ich habe ja schon viele Nächte bei meinen bisherigen Motorradreisen in einem Zelt schlafen müssen, aber solch ein Flattern und Umherschlagen des mich umgebenden Zeltes ist nun eine neue Erfahrung. Regelmäßig hob sich das Zelt immer wieder von der Rasenoberfläche ab und drohte samt Inhalt - also auch mit mir - abzuheben. Ab 4.00 Uhr saß ich, mit beiden Händen jeweils die linke und rechte Zeltstange haltend, aufrecht, immer noch hoffend diesen Campinplatz nicht plötzlich aus der Vogelperspektive sehen zu müssen.

So ungefähr nach einer halben Stunde gab ich jeden Widerstand auf. Rette sich wer kann. Bloß raus hier.

Das Zelt wird nach meinem Hinauskriechen sicher gleich in die Luft gehen? Als erstes registriere ich draußen sofort, dass mein Motorrad umgekippt war, direkt über den Seitenständer, ohne dass dieser tiefer in die Rasenoberfläche eingesunken war. Der nächste Blick ging zum Zelt der Ingolstädter. Auch deren Maschinen waren umgefallen. Im Moment interessierte mich mein Motorrad überhaupt nicht. Wo jetzt mit mir selber hin? Laufe zum kleinen Rezeptionshäuschen des Campingplatzes. Die Einganstür ist nicht verschlossen, trete ein und bemerke sofort, dass ich hier nicht der Einzige bin. Auch andere Camper sind aus ihren Zelten geflüchtet und so bilden wir für einige Stunden eine kleine internationale Sturm - und Regenfluchtgemeinschaft.

Dass da mein Motorrad noch rumliegt, interessiert mich immer noch nicht. Kaffee kochen und etwas frühstücken sowie die ganzen nassen Klamotten irgendwie trocknen, haben  noch Vorrang. Dabei werden in diesem kleinen Raum am Holztisch sitzend auch viele nette Gespräche geführt. Unter anderem auch mit einem jungen Pärchen aus Süddeutschland, die mit PKW und Zelt unterwegs sind. Der Mann erinnert mich dann an mein Motorrad und bietet mir seine Hilfe an, das Bike aufzurichten. Beide schaffen wir das schnell. Ich drücke auf den Starterknopf und der Motor springt sofort an, fahre zum Gebäude und stelle das Motorrad auf die Holzterrasse unterhalb einer Überdachung ab. Das Hauptproblem bei einem Umfaller einer BMW GS 1100 war leider wieder eingetreten. Das Glasteil vom linken Blinker war abgebrochen, aber der Blinker funktionierte noch. Auch hier half mir der junge Mann, holte Klebeband aus seinem Auto und ich konnte das Glasteil verarzten.

Nun bereits kurz vor sieben Uhr am Morgen kamen mir langsam die Gedanken, bleibt das den ganzen Tag so bei diesem heftigen Wind und Regen? Wenn ja, dann ist auf keinen Fall eine Fahrt mit dem Motorrad auf der Gravelstraße den Berg hoch und wieder runter, ohne Riesengefahr zu stürzen, möglich. Dieser Wind haut mich garantiert in irgendeiner Kehre oder Schotterpassage vom Sattel. Also egal, dass die Fähre morgen sicher nicht auf mich Rücksicht nimmt und warten wird, ich komme hier  erst weg, wenn der Sturm und Regen sich gelegt haben.

Matthias und Josef fangen an, ihre Zelte abzubauen und die Motorräder zu bepacken. Also die beiden sind, was das Wetter angeht, wohl optimistischer als unsereins. Tatsächlich gibt es bald schlagartig eine Wetterveränderung. Der Regen und auch danach der heftige Wind lassen nach. Die Schlechtwetterfront hat Island in Richtung Meer verlassen.

So nun bloß schnell losfahren. Zündung an, Starterknopf drücken. Keine Reaktion. Der Motor springt nicht an. Der Anlasser reagiert nicht. Also doch noch ein Folgeschaden des nächtlichen Umfallers? Ich muss hier los und morgen an der Fähre stehen. Das Motorrad, wenn möglich, natürlich dabei.

Die beiden BMW Fahrer aus Ingolstadt schieben mich und mein Motorrad mehrmals kräftig vorwärts und endlich springt der Motor der GS an. Kurzer Blick nach hinten, bedanke ich mich bei den beiden und fahre ab. Jetzt in einem Ritt und ohne Pause auf die 94. Erst wieder über den Berg, dann durch bis Egilsstadir und sofort bis zum Campingplatz am Hafen von Seydisfjördur, immer mit der Angst im Nacken, dass mein Motorrad einfach mal so aus geht und ich dann in der Einsamkeit von Island ganz schön blöd dastehe.

Bike abstellen, Zelt für die letzte Nacht aufbauen. Habe den gesamten Tag noch vor mir. Der Ort ist nicht sehr groß. Auf Unternehmungen, welcher Art auch immer, habe ich keinen Geist mehr. Die Luft ist raus. Hoffentlich springt das Motorrad morgen früh an. Ansonsten bleibt ja alternativ nur raufschieben auf die Fähre. Das ist bei der steilen Rampe innerhalb des Schiffes mehr als schwer und ohne fremde Hilfe nicht zu schaffen. In Island wollte ich meine alte GS natürlich nicht lassen. Ja, was ist nun: Batterie oder Anlasser? Ich laufe die wenigen Straßen des Ortes auf der Suche nach einer Kfz Werkstatt ab, weil ich wenigstens die Batterie laden lassen will. Glaube, dass die Batterie runter ist, finde im gesamten Ort keine Möglichkeit, das zu überprüfen. Muss es nun darauf ankommen lassen und morgen früh genug mein Motorrad bis zum Fährhafen mit oder ohne Motorkraft transportieren.

Es kommt, wie es kommen musste. Der erste Startversuch am Morgen misslang. Keine Reaktion. Der Anlasser reagiert überhaupt nicht mehr. Nicht weit von meinem Standort steht ein deutsches Ehepaar an seinem Wohnmobil.

Meine neue Schiebehilfe wird organisiert. Sie geben sich wirklich viel Mühe und nach mehrmaligen Unterbrechungen springt tatsächlich der Motor an. Vielen Dank an die Helfer. Eine Minute Fahrt und ich parke mein Motorrad an das hintere Ende der schon wartenden Motorräder. Die drei Magdeburger stehen neben mir. Der Fleischermeister aus Ölsnitz ist auch da. Einige Gesichter anderer Motorradfahrer erkenne ich auch von der Hinfahrt wieder. Die Magdeburger bieten mir ihre Hilfe an, falls mein Motorrad zur Fährauffahrt wieder nicht anspringen sollte. Es geht los. Zündung an,Starterknopf drücken - mein Motorrad springt sofort und anstandslos an. Ich fahre die steile Rampe hoch, stelle das Motorrad auf den Haupständer ab. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Also bis nach Dänemark komme ich nun wohl auch mit Motorrad. In Hirtshals eine Kfz Werkstatt zu finden, wird sicher einfacher?

 Zwei Tage Rückfahrt mit der Fähre erst zu den Färöer, dann bis Hirtshals. Viele Gespräche an Bord, besonders mit den Magdeburgern und dem Ölsnitzer. Worüber hauptsächlich: Natürlich Island mit dem Motorrad. Wer hat was und wo erlebt und "erfahren" !!!

Ein tolles Land, auch mit dem Motorrad zu bereisen. Vulkane, Geysire, Wasserfälle, Schnee, Krater und Lava. Vieles hatte ich so vorher noch nirgends gesehen. War voller Reiseeindrücke und mit meiner Islandtour rundum zufrieden. Jetzt an der Schiffsbar sitzend, mein zweites Glas Bier in der Hand, waren die etwas widrigen Umstände (Sturm, Regen und Motorrad, das nicht rund läuft) der letzten zwei Tage schon vergessen.

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               Ankunft Hirtshals - Rückreise Dänemark - Güstrow

Na, wird mein Motorrad jetzt zweieinhalb Tage später anspringen, oder werde ich wieder Schiebehilfe benötigen?

Es klappt beim ersten Versuch und ich verlasse die Fähre. Auch nach dem Tanken in Hirtshals geht der Anlasser meines Motorrades anstandslos, so dass ich beschließe, keine Werkstatt zu suchen. Ist ja auch Samstag heute. Fahre auf die Autobahn in südlicher Richtung. Die drei Magdeburger überholen mich. Manfred, mit dem ich mich noch in Hirtshals treffen wollte, habe ich verpasst. Keine Ahnung, ob er schon vor mir ist oder noch nicht runter von der Fähre?

Eben noch Sonnenschein im Norden Dänemarks kommt uns nun nach einer Stunde Fahrt eine dunkle Gewitterfront entgegen. Es beginnt zu regnen. Erst leicht und dann immer heftiger. Was folgte, war meine bisher regenreichste Motorradfahrt über mehrere Stunden fast bis zur deutschen Grenze. Bei jeder kleinen Pause auf einem Rastplatz stellte ich das Motorrad immer sofort auf den Haupständer und ließ den Motor weiter laufen. Nur den Gedanken im Kopf: Wenn das Motorrad nicht mehr anspringt, steh ich aber da so pudelnass und tropfend mitten in Dänemark.

Mist, tanken musst du auch noch einmal. Letzter Stopp an einer Tankstelle in Bad Seegeberg. Motor aus, Benzin rein und bezahlen gehen. Mein ursprünglicher Plan, noch eine Nacht auf einem Zeltplatz zu übernachten und dann am Sonntag den Rest bis nach Hause zu fahren, hatte sich für mich erledigt. Meine Motorradklamotten waren seit Stunden durchgehend nass. Mein Handy hatte so viel Wasser geschluckt, dass es sich tot stellte.

Ich will nach Hause. Starterknopf an. Der Anlasser gibt keinen Ton mehr von sich. Das wars wohl. Habe es ja wenigstens noch bis Deutschland geschafft. Ganz möchte ich aber doch noch nicht aufgeben. Dort  neben der Tankstelle steht ein LKW. Spreche den Fahrer und seinen Beifahrer an und bitte um Schiebehilfe. Nach mehr als vier Versuchen und der Beteiligung eines dritten Schiebers springt der Motor tatsächlich doch noch an. Bedanke mich bei den Herren und ab. Nun nur noch fahren, fahren, fahren. Dass es auch wieder zu regnen anfängt, interessiert mich überhaupt nicht. Zwei Stunden später, kurz vor Mitternacht, fahre ich auf meinen Hof bis vor die Garage. Motor aus. Geschafft !!!!!!!!!!!

Es war nicht, wie ich glaubte, die Batterie, sondern nach 15 Jahren war bei meiner GS ein neuer Anlasser fällig. Dazu auch noch neue Reifen vorne und hinten. Die Gravel-und Schotterpisten Islands  forderten ihren Tribut.

Bei allen Widrigkeiten am Schluss dieser Motorradreise, was bleibt, sind tolle Erinnerungen an eine schöne Insel im hohen Norden. Feuer und Eis - Regen und Sturm - Staub, Steine und Lava. Unendliche Weiten, Vulkane, Wasserfälle und Krater. Wale, Papageientaucher und Mücken.

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Alpentour 2013

   Bildergalerie Alpentour 2013 anzeigen

In den letzten zwei Jahren habe ich die Fortbewegung der Langsamkeit ausprobiert und war auf den Jakobswegen Camino France und Caminho Portugues zu Fuß unterwegs.Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte,denn es war auch viel anstrengender als eine Motorradreise.

Nun wurde es 2013 aber wieder Zeit, das Zelt auf meine BMW GS 1100 zu schnallen und mit dem Bike einige Tage on tour zu sein.

Meine letzte Fahrt in die Alpen liegt schon viele Jahre zurück. Ist es doch für uns Nordlichter schneller getan, nach Schweden oder weiter nach Norwegen zu kommen,als den langen Weg runter in den Süden auf sich zu nehmen.

Naja und in Deutschland kann man sich auf der An-bzw. Abreise aus der Alpenregion auch so einiges anschauen. Deshalb keine Autobahn in den Süden, keine direkte Anfahrt nach München,sondern gemütliches "cruisen around Germany".

Anfahrt: Güstrow - Bremen , Bremen -  Bielefeld, Bielefeld - Mannheim, Mannheim - Stuttgart -Gruibingen,Gruibingen - München,

Alpentour: Tag 1: München - Zell am See (Zeltplatz),  Tag2: Zell am See -Bruck - Großglockner Hochalpenstraße - Heiligenblut - Campingplatz in Winnebach,  Tag 3: Winnebach - Cortina d Ampezzo - "Drei Zinnen" -Dolomiten - Zeltplatz in Chiusa/Klausen bei Bozen,  Tag 4:  Bozen - Brenner - Innsbruck - Garmisch Partenkirchen - Zugspitze - Füssen - Neuschwanstein - Hohenschwangau -München.

Heimreise: München - Regensburg - Hof -Talsperre Pirk, Oelsnitz - Leipzig - Potsdam - Güstrow.

Hier nun einge Bilder, die unter anderem auch deutlich machen, dass der "Flachländer" aus Mecklenburg einmal wieder viele, viele Kehren,Steigungen und steile Abfahrten bewältigen musste und ihm diese Art der Fortbewegung doch auch weiterhin gefällt.

Pläne für das kommende Jahr schwirren schon wieder genug umher und vielleicht kann das eine oder andere dann auch umgesetzt werden? Ob mit Motorrad oder aber auch zu Fuß!

 

Canada 2012

Auf meiner Pilgerreise Camino France 2010 traf ich immer wieder auch zwei Ladys aus Canada, die meistens mit einer Pilgerin aus Irland und einem kräftigen Pilger aus den USA unterwegs waren.Da ich in den ersten Tagen noch keine Namen kannte, gab ich dieser Gruppe den Namen: "Mönch Tak und seine drei Nonnen."

Wir lernten uns dann auf dem Weg nach Santiago de Compostela intensiver kennen. Im Jahre 2012 wurde von der Pilgerin Bari und ihrem Ehemann Bob zu einer Pilger-Reunion an den Muskoka Lake in Canada, Ontario geladen.

Nach den tollen Wiedersehens-Tagen am Lake folgte eine Rundreise durch den Osten Canadas.

Toronto-Muskoka Lake-Parry Island-Algonquin Park-Ottawa-Montreal-Canada Village-Kingston-Niagara Falls und Waterloo-Kitchener zu Besuch bei Pilgerin Sue. 

 Hier die Bilder einer erlebnissreichen Reise,mal ohne Motorrad!

  Bildergalerie Canada 2012 anzeigen

Jakobsweg 2011 - Caminho Portugués

 Also Doch ! Der Pilgervirus hat mich erwischt. Auch 2011 war ich wieder zu Fuß unterwegs nach Santiago de Compostela. In Porto gestartet ging es 11 Wandertage über 235 km auf dem CAMINHO PORTUGUES bis nach Santiago. Weiter dann noch in 5 Tagen über 100 km zum "Ende der alten Welt", Kap Finisterre.

Hier mein Reisebericht und Bildgalerie

 

Reisebericht - Jakobsweg 2011 - Caminho Portugues

 

Bildergalerie

Caminho Portugues 2011 Tag 22

Tag 22:  08.06.2011,  Flughafen Santiago- Mallorca- Hamburg.

Der Kreis schließt sich. Nach Verlassen des Flughafens Porto zu Beginn meiner Pilgerreise sah ich vor dem Terminal einen bärtigen, mir noch unbekannten Pilger, vorbeilaufen. Thomas aus Berlin.
 

Hier am Flughafen Santiago fliegen mit mir bis Mallorca wieder Thomas und seine Frau Gabriele.Auch die „Krankenschwester“ aus Berlin, die gar keine ist, sitzt im Vorraum des Terminals und wartet wie ich auch Stunde um Stunde auf den Flieger.
 

Der Flug nach Mallorca verläuft problemlos. Leider verabschiede ich mich nicht ordentlich von meinen Mitpilgern, da ich zu schnell mein Anschlussterminal für den Flug nach Hamburg suche und die „Krankenschwester“ sowie Thomas und Frau nach Berlin weiter wollen. Drehe mich immer wieder beim Verlassen des Flugzeuges um und sehe keinen der „Drei“. Vermute sie vor mir. Was soll es, vielleicht sehen wir uns ja wieder in Deutschland oder auf einem „CAMINO“ der kommenden Jahre.

Diese Pilgerreise war gut. Ich werde sehen, was an Kontakten bleibt und ob und wann mich erneut der Pilgervirus  irgendwohin treibt.

Inzwischen fest geplant für 2012 ist eine Reise nach Canada. Die Pilgerin Bari und ihre Mitpilgerin Sue aus Canada haben zu einem Pilger- Wiedersehen „Camino Frances“ 2010 eingeladen.Hoffe dort außer Sue und Bari, auch noch andere mir bekannte Pilger des Camino 2010 zu treffen.Gemeinsam soll dann einige Tage auf Teilabschnitten der TCT (Trans Canada Trail) gewandert werden.
                                                                                                                                          -ENDE-


                                                

Caminho Portugues 2011 Tag 21

Tag 21:  07.06.2011,  Fisterra – Santiago de Compostela

An der Bushaltestelle direkt gegenüber des Hotels warteten sehr viele Pilger auf den Bus nach Santiago, so dass im ersten Moment zu befürchten war, dass nicht alle Pilger mitkommen. Dementsprechend drängelten sich auch einige massiv vor die Bustür. Besonders ein kräftiger deutscher Pilger erdrückte fast einige Damen, bei dem Versuch unbedingt zu den ersten Einsteigern gehören zu müssen. Wer vor dem Jakobsweg schon egoistische Wesenszüge an sich hatte, der wird auch nach dem Camino sicher nicht geläuterter nach Hause kommen!
Die Befürchtung, keinen Platz im Bus zu bekommen, erwies sich als unbegründet und so konnte jeder Pilger die zwei Stunden Busfahrt nach Santiago im Sitzen genießen und die schönen Küstenlandschaften aus dem Fenster betrachten.
 

In Santiago bekam ich auch sofort wieder ein Zimmer im Hotel am Plaza Galizia.
Um 12.00 Uhr ging ich dann noch einmal zur Pilgermesse in die Kathedrale und blieb dort bis zum Ende des Gottesdienstes. Der berühmte 54 kg schwere Weihrauchkessel „Botafumeiro“ an einem 21 m langen Seil in einem hohen Bogen von 65 m Wegelänge durch das gesamte Querschiff der Kathedrale geschwenkt, verbreitete einen süßlichen Duft und man konnte in Ruhe seinen „Gedanken- Camino“ nachgehen.

                                                                  

Das war er nun, mein Camino 2011!

Waren es 2010 auf dem Weg von Saint Jean Pied de Port nach Santiago hauptsächlich der Stolz und die Genugtuung es über 800 km bis hierher zu Fuß geschafft zu haben, so waren es in diesem Jahr die vielen positiven Begegnungen zwischen den Pilgern, das Zusammenfinden der „Germanentruppe“ und das Genießen der landschaftlich schönen Teilstrecken des „Caminho Portugues“ und für mich noch naturerlebnisreicher der tolle Weg von Santiago zum Kap Finisterre.

 


 

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Caminho Portugues 2011 Tag 19+20

Tag:  19 und 20,    05. und 06.06.2011, Fisterra,  Kap Finisterre,

Nun habe ich noch viel Zeit. Könnte heute zum Beispiel einen Fußmarsch nach Muxia immer an der Küste lang machen.
Aber erstens habe ich keine Lust mehr auf alleinige Wanderung und außerdem fängt der Morgen sehr wolkenverhangen und trübe an. Wir hatten ja immer viel Glück mit dem Wetter. Ich denke an die heute ankommenden Pilger, bei den teilweise steilen Abstiegen auf rutschigen Wegen sicher nicht sehr angenehm. Es hat stark angefangen zu regnen und sieht auch in den ersten Vormittagsstunden nicht danach aus, dass es bald aufhört. Ich sitze in einem Café und schaue auf den Hafen von Fisterra. Um acht Uhr hatte ich noch in der privaten Pilgerherberge für nur 3 € sehr gut gefrühstückt, mir auch bereits gleich ein Hotel ausgesucht, in dem ich für  zwei Nächte bleiben werde.        
Dann am 07.06.2011 mit dem Bus nach Santiago zurückfahren, dort noch einen Tag und eine Nacht abhängen, bis am späten Nachmittag des darauffolgenden Tages mein Flieger über Mallorca zurück nach Deutschland geht.

Was also anfangen mit dem Tag. Einmal mein Buch weiterlesen klar, dann ein wenig Pilger beobachten auch klar.
Viele bekannte Gesichter werde ich nun garantiert nicht mehr sehen. Komme ins Gespräch mit einem Pilger aus Nordfriesland, der mir bestätigt, dass mein Entschluss nicht nach Muxia zu gehen, richtig war.
Gegen Mittag  suche ich dann erneut das Hotel auf und beziehe mein Zimmer für zwei Nächte. Von meinem Rucksack befreit, kann ich nun unbesorgt auf die Suche nach einer Jakobsmuschel an den  Strand gehen und was zu essen besorgen. Jakobsmuschel im Original als Andenken mit nach Hause bringen, einfach Pflicht für einen Jakobspilger. Obwohl viele andere Pilger diesen Gedanken natürlich auch haben und am Strand suchen, werde ich doch schnell fündig und kann mir zwischen einigen Muscheln die schönste aussuchen. Treffe hier am Strand auch die beiden Pilgerinnen aus Brasilien wieder  und auch Thomas und Gabi sind noch im Ort. Wir stehen gerade zusammen, da kommt auch der Pilger aus Dänemark vorbei. Er macht einen sehr bedrückten Gesamteindruck. Die Mitpilgerin aus Weimar ist bereits weiter nach Muxia gewandert und damit aus seinem Gesichtsfeld verschwunden. Er hatte sich wohl mehr von der Begegnung mit ihr versprochen, als sie bereit war zu geben. Sei nicht traurig Junge. Das Leben geht weiter und Dänemark hat ja auch sehr schöne Mädels!

 

Beim Rückmarsch in die Innenstadt traf ich den Pilger aus Korea wieder. Ihm war ich einige Male auf dem Weg von Santiago nach Fisterra und auch an dem Abend am Kap begegnet. In unserem beiderseitigen unbeholfenen Englisch unterhielten wir uns fast eine halbe Stunde und ich erfuhr unter anderem von ihm, dass er nach seinem Jakobsweg noch viele Städte in Europa besuchen will. Barcelona, Lissabon, Rom, Wien, Heidelberg, Amsterdam, Paris und Krakau (Polen) seine weiteren Stationen auf unserem Kontinent, bevor er wieder in seine Heimat Süd- Korea zurück kehrt.
Dass sein Besuch in Deutschland nur die Stadt Heidelberg betrifft, bestätigte wieder, dass für Menschen aus Korea, Japan oder auch den USA Germany nur in Heidelberg zu finden ist!
Am zweiten „Gammeltag“ in Fisterra wieder Regen. Also von Café zu Café schleichen, Buch lesen und „Pilger- Schauen“.
Mit dem Bus um 11.45 Uhr fahren nun Thomas und Gabriele nach Santiago zurück und wollen dort einen Tag länger bleiben. Auch sie fliegen am 08.06.2011 nach Berlin, so dass wir uns in jedem Fall, wenn nicht in Santiago, dann aber spätestens am Flughafen noch einmal sehen werden.
Jetzt kenne ich hier nur noch flüchtig die „Krankenschwester“ aus Berlin, die genau wie ich nun ihre Zeit in Fisterra bis zum Abflug überbrückt.
 

 

 

            

In einem der zahlreichen Restaurants am Hafen gönne ich mir am letzten Tag ein besonderes Mittagessen, nach all den vielen Pommes-Menüs der vergangenen Pilgertage.
Fischsuppe Original Spanien
Jakobsmuschel, serviert auf einer Originalmuschel als Teller
Es war nicht ganz preiswert, aber lecker! Die Muschel durfte ich mitnehmen, oder sagen wir so: Der Kellner grinste sich nur einen, als er sah, dass ich die Muschel fein säuberlich in die Serviette wickelte. Dieses Prozedere wird er schon oft gesehen haben.

 

             

Da der Tag noch lang war und der Regen endlich aufhörte, entschloss ich mich, doch noch einmal zum Kap Finisterre zu wandern. Nach 300 m die Straße aufwärts vor mir ein kleines Hotel. Davor die fünf Pilger aus Stuttgart.Der Pilgerführer und die zwei Ehepaare sind also drei Tage nach mir auch in Fisterra angekommen. Kurzes Gespräch, einige Hinweise von mir, aber ich merkte wieder schnell, dass wir trotz der vielen Begegnungen auf unserem Camino nicht wirklich „miteinander warm“ werden und verabschiedete mich.
Am Kap dann nicht das erhoffte Fotowetter und deshalb nur einige Bilder gemacht und zurück in die Stadt.


 

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Caminho Portugues 2011 Tag 18

Tag 18:  04.06.2011,  Cee – Fisterra,  13,5 km

Der Planet glüht wieder mächtig, egal heute wird Fisterra erreicht. Um sieben Uhr in der Früh aber erst einmal gut frühstücken, bevor der Wandertag begonnen wird. Mit mir in dem Café auch das Mädchen aus Weimar und die Pilgerin aus Canada. Der Pilger aus Dänemark gesellt sich auch noch dazu. Wunderte mich im ersten Moment über die hohe Rechnung für mein Frühstück. Merke gar nicht, dass ich für zwei Personen bezahlt hatte, aber das Girl aus Germany war ehrlich und gab mir ihren Anteil der Bezahlung, nachdem ich bereits das Café verlassen hatte.
Gegen acht Uhr verließ dann wieder einer nach dem anderen das Zentrum der Stadt, immer entlang der anliegenden Küstenstraße. Auf einem Parkplatz stand ein Wohnmobil mit französischem Kennzeichen. Der Mann und seine Frau winkten mir beim Vorübergehen fröhlich zu und ich erwiderte diesen netten Gruß.
Da ich nirgends einen gelben Pfeil sah, glaubte ich im ersten Moment und nachdem ich ca. 2 km immer am Rande dieser Küstenstraße weiter gelaufen war, dass ich falsch bin. Dann ein erstes Pilgerzeichen links in einen Waldweg hinein. Also doch alles richtig gemacht.
Der Weg dann, wie alle Tage seit Santiago herrlich zu laufen. Schon jetzt kann ich das Resümee ziehen, was Wanderwege, Landschaften und Umgebung des Jakobsweges betrifft, der Jakobsweg von Santiago de Compostela bis Kap Finisterre weit aus spektakulärer ist als der Jakobsweg von Porto bis Santiago. Dieser hatte zwar immer wieder gute Teilabschnitte, aber auch immer wieder viele Bitumen-, Straßen- oder Industrie- bzw. Stadtgebiete. Der Jakobsweg Santiago zum Kap ist hervorragend ausgebaut und fast ausschließlich auf Naturpfaden in herrlichen ruhigen Landschaften.

                                                    

Der nächste größere Hafen- und Fischerort mit Namen Sardineiro ist erreicht. Am Straßerand steht wieder das Wohnmobil aus Frankreich. Die Hausherrin, eine nette ältere Französin, sprach mich an und lud mich auf einen Kaffee ein. Neben der offenen Wohnwagentür  stand bereits ein junges Pilgerpaar aus Frankreich. Ich nahm gern die Einladung auf einen Kaffee zwischendurch an. Wenn sich auch die Unterhaltung als sehr schleppend zwischen mir und den drei Franzosen entwickelte, so war ich in diesem Moment doch begeistert von der schönen Geste dieser Französin gegenüber den vorbei pilgernden Menschen. Wie ich dann in Kauderwelsch- Englisch erfuhr, pilgert ihr Mann den Weg von Santiago nach Fisterra zu Fuß und sie fährt immer mit dem Wohnwagen voraus. Klar habe ich beide später auch in Fisterra und am Kap wieder gesehen.
Vom Fußweg oberhalb der Küste dann der erste spektakuläre Blick auf eine malerische Sandbucht hinunter, läuft man dann noch an die zwei Kilometer Fußweg immer am Strand entlang bis zur Altstadt von Fisterra.
Ein Pilgerpaar vor mir läuft an das Wasser und taucht seine nackten Füße, die Wanderschuhe über den Rucksack geworfen, in das Wasser. Am Pilgerkreuz vorbei erreicht man dann in wenigen Minuten das Zentrum von Fisterra und ich finde auch gleich das Pilgerbüro gegenüber einem großen Denkmal inmitten eines Fahrbahnkreisels.
Noch hat das Büro geschlossen. Meine Compostela von Fisterra kann ich auch später noch holen. Erst einmal eine Herberge für eine Nacht suchen. Nach 400 m immer eine Gasse geradeaus, finde ich in einer Seitenstraße auch eine sehr schön gelegene Herberge und bekomme im Obergeschoss ein Bett. Erst in vier Tagen geht mein Flieger, also noch sehr viel Zeit für das 3,5 km entfernte Kap Finisterre und dieser Ortschaft am „Ende der alten Welt“.                      

           

 

 

 

 

 

 

 

Da man immer nur eine Nacht in einer Herberge bleiben darf, muss ich mir morgen noch für zwei Nächte ein Hotel suchen. Immer am Hafen entlang zurück in das Pilgerbüro, erst kleinere Einkäufe erledigen, hole ich nun die schöne bunte Pilgerurkunde von Fisterra. Vor dem Büro viele wartende Pilger,ich kenne aber nur die drei deutschen Pilger, denen ich seit einigen Tagen immer wieder begegnet bin.Schaue mich nun weiter um nach bekannten Pilgergesichtern und entdecke endlich auch Thomas und Gabi aus Berlin, meine Pilgermitstreiter der „Germanentruppe“ Porto- Santiago.
Wir verabreden uns für den Abend zum Treff am Kap Finisterre, um den berühmten Sonnenuntergang zu erleben Dort am Kilometerstein 0,00 km versinkt in den Abendstunden der „gelbe Pilgerpfeil“ in das Meer und zeigt dem Pilger, dass er seine Pilgerreise hier beendet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fisterra- Kap Finisterre,  3,5 km,  20.00 Uhr

Nach dem Essen in einem der zahlreichen Cafés am Hafen mache ich mich mit Thomas und Gabriele auf den Weg zum Kap. Noch unterwegs eine Flasche spanischen Rotweins vom bekannten Weinanbaugebiet RIOJA zum Anstoßen organisiert, werden diese 3,5 km schnell erledigt und schon von weitem sieht man den Leuchtturm und die angrenzenden Gebäude an der Spitze des Kap.
 

Vorbei an einem sehr schönen Pilgerdenkmal hat man die Hälfte der Strecke geschafft. Mir kommen die beiden Pilgerinnen aus Brasilien entgegen, die mit der deutschen Pilgerin aus Aachen auf dem Caminho Portugues unterwegs waren. Haben sie es also auch bis hierher geschafft.
 

Wir erreichen den Pilgerstein 0,00 km und sind nun an der Spitze vom Kap angekommen. Überall laufen Pilger auf den Wegen oder kriechen zwischen den Felsen direkt an der Spitze unterhalb des Leuchtturmes herum.
 

            

 

Dann, wen sehe ich da zwischen den einzelnen Gesteinbrocken neben dem großen Pilgerkreuz.    Diese Frau kommt mir sehr bekannt vor, doch ich brauche einige Sekunden, bis ich kapiere, dass sie die Pilgerin von dem Camino Frances des letzten Jahres ist. Die Frau, die doch mit ihrem Mitpilger sehr resolut, wenn nicht gar herrisch umgegangen war und jedem, ob er es hören wollte oder nicht, von ihren Wanderungen auf allen Hügeln und Bergen dieser Welt lautstark berichtete. Ich sprach sie hier am Kap 2011 an und gab mich ihr als Pilger des Camino 2010 zu erkennen.Sie erkannte mich natürlich nicht.Als ich ihr dann aber erzählte, wo und wann ich sie und den von ihr geführten Mitpilger auf dem Camino Frances 2010 gesehen hatte, zog sie wieder in der mir ja schon bekannten „Feldwebelart“ über ihren Mitpilger des letzten Jahres her. Was sie mir nun über ihn sagte, möchte ich lieber nicht schreiben.Auf jedem Fall müssen ihm auch über die tausende Kilometer Entfernung in diesem Moment die Ohren geklingelt haben. Na lange hielt sie sich dann auch nicht mehr mit mir auf. Dann mussten sich die beiden Pilgerinnen aus Holland, die neben mir standen, ihre heroischen Pilgergeschichten anhören.
 

 

Wir, das waren Thomas und seine Frau Gabriele, dann die Pilgerin aus Weimar, die Pilgerin aus Canada und der Pilger aus Dänemark setzten sich dann auf einen Felsen, machten viele Fotos und tranken Wein und Sekt, warteten auf den nahenden Sonnenuntergang. Gegen 22 Uhr versank der „gelbe Pilgerpfeil“ dann am Meereshorizont. Überall auf den Felsen um uns herum saßen so an die 20-30 Pilger und Pilgerinnen, hingen ihren Gedanken nach und starrten der nun versinkenden Sonne hinterher.

 

 

 

 

 

Thomas verbrannte noch eines seiner T-Shirts. Vor lauter Aufregung wäre uns dabei beinahe die aufgedrehte Pilgerin aus Canada vom Felsen gestürzt. Mein Rotwein Gioroso aus Rioja schmeckte und  erst im Dunkeln ging ich dann mit Thomas und Gabriele zurück bis zu meiner Herberge. Die Haustür dort hatte ein Schloss mit Zahlenkombination.Nach dem sechsten bis achten Versuch die Tür zu öffnen, wollte ich mich bereits damit abfinden, die Nacht am Strand von Fisterra verbringen zu müssen. Dann endlich ging die Tür doch noch auf. In völliger Dunkelheit eine Eisentreppe hochzugehen und in einem Schlafraum mit vielen Doppelstockbetten dann sein eigenes Bett zu finden, ohne dabei die schlafenden anderen Pilger zu wecken, bedurfte noch einmal volle Konzentration und das nach einer Pulle Rioja.

   

       


 

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Caminho Portugues 2011 Tag 17

Tag 17:  03.06.2011,  Olveiroa – Cee,  20,5 km

Der Outdoor- Pilgerführer verspricht einen reizvollen Weg für die heutige Etappe und das kann ich nur bestätigen.
Ein schöner breiter Weg immer am Hang entlang wandernd, blickt man linkerseits auf den aufgestauten Fluss Xallas, einen Windpark auf der dahinter liegenden Anhöhe und im Tal auf einen Stausee.
Bewaldete Hügellandschaft, in der das Wandern Spaß macht, da nun der Wind des Atlantiks, trotz der Hitze, Kühlung während des Laufens bringt.

 

An einer kleinen Kapelle mit dem Namen „Capilla da Nosa“ lege ich eine Rast ein und sitze kurz mit der jungen Pilgerin aus Weimar am Tisch des Rastplatzes. Zu uns setzte sich eine Pilgerin aus Berlin, der ich jetzt das erste Mal begegnete. Warum ich ihr dann ab nun den Namen „Krankenschwester“ aus Berlin gab, kann ich jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, nicht mehr sagen. Aber wie schon einmal beschrieben, auf dem Jakobsweg werden schnell aus dem ersten Eindruck einer Begegnung resultierend und mangels Wissen der Vornamen, Spitznamen vergeben. Wir unterhielten uns kurz, bevor jeder wieder seinen Weg weiter ging. Beobachteten vorher noch gemeinsam die an einem Pilgerkreuz vorbei ziehende Rinderherde, bewacht und geführt vom Hirten und seinem Schäferhund.

 

 

 

 

 

        

 Nun laufe ich im Wechsel immer wieder mit dem Mädchen aus Weimar vor oder hinter mir auf einer geraden Anhöhe in Richtung Cee. An einer großen Kreiselkreuzung musste man sich vorher entscheiden, ob man gerade aus in Richtung Muxia wandert oder die Straße links nach Fisterra wählt.
Mein Weg führt mich weiter in Richtung Kap, denn der Umweg über Muxia würde so einige Mehrkilometer bedeuten und im Gegensatz zu der immer noch sehr leichtfüßigen jungen Pilgerin gerade wieder vor mir, ist mein Laufstil doch schon etwas quälender. Sie macht wieder eine Pause und schreibt in ihrem Tagebuch, ich ziehe vorbei. In der Herberge von Cee sind wir dann am frühen Nachmittag die einzigen Pilger der Herberge. Fast alle anderen Pilger gehen noch die verbleibenden 13,5 km bis Fisterra weiter.
Nach einigen Minuten dann der große Moment. Für mich schon sehr bewegend, muss ich nun an die Pilger des Mittelalters denken. Haben sie nach vielen Entbehrungen und unter ganz anderen Bedingungen es bis zur Kathedrale von Santiago geschafft. Dann auch den beschwerlichen Weg zum Kap Finisterre- „Das Ende der alten Welt“- auf sich genommen, muss es für diese Pilger enorm bewegend gewesen sein, nun von dieser Anhöhe aus das Meer zu sehen.
Vor mir das blaue Band der Atlantikküste, rechts weit hinten erkennt man den Leuchtturm vom Kap Finisterre und unten sehe ich das Panorama der Stadt Cee.

Noch einige Kilometer immer teilweise extrem steil bergab und sehr steinig nähere ich mich nun dem Zentrum. Bei schlechtem Regenwetter könnte einem dieser Wegeabschnitt garantiert noch einmal zum Verhängnis werden. Jeder einzelne Schritt abwärts muss wohlbedacht sein.
Vor mir liegt der breite schöne Sandstrand von Cee. Die örtliche Herberge finde ich schnell und bringe um 14 Uhr meinen Rucksack in den Vorraum der Herberge. Betrag für die Nacht bezahlen, Stempel in den Pilgerausweis und Bett suchen. Wie schon erwähnt, die Auswahl ist groß, da bisher nur ein Bett von über vierzig belegt ist und ich nun wieder auf die Pilgerin aus Deutschland treffe. Am späten Abend bezieht noch ein Spanier, der mit einem großen Koffer den Raum betritt, ein Bett neben mir. Am Nachmittag habe ich ihn verloren wirkend in der Stadt umherirren gesehen und mich schon über ihn ein wenig gewundert, denn nach einem Pilger sah er so gar nicht aus mit seinem riesengroßen Rollkoffer, sondern eher nach einem Mensch ohne Bleibe. Nehme an, dass der Chef der Herberge Mitleid mit ihm hatte und den Landsmann kostenlos die eine Nacht in der Herberge schlafen ließ. Platz war ja reichlich.
Andere Pilger habe ich beim Stadtbummel im Zentrum von Cee nicht getroffen und so vermerke ich um 17 Uhr in meinem Pilgertagebuch, an einem Tisch einer Bar sitzend, folgenden Eintrag.

                   „Ich sitze in Cee und trinke Bier (San Miguel),sonst anderes kann man nicht hier!“

 

 

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Caminho Portugues 2011 Tag 16

Tag 16:  02.06.2011,  Santa Marina – Olveiroa,  12 km

Entweder laufe ich die 12 km bis Olveiroa, oder wenn weiter dann sind es noch einmal 20 km bis in die Stadt Cee.
Da es bis zum Kap Fisterra dann aber nur noch 13 km sind, brauche ich darüber nicht lange nachdenken. Mein Flieger geht erst am 08.06.2011 vom Flughafen Santiago ab und ich habe damit noch alle Zeit der Welt.
Nur 12 km Tagessatz, lass dir Zeit. Na ja, um elf Uhr vormittags erreichte ich dann doch sehr früh den Ortseingang eines malerischen kleinen Ortes mit Namen Olveiroa. Gleich am Ortseingang eine neu errichtete Pilgerherberge mit dem Namen „Albergue Horreo“ auf einem Bauernhof. Obwohl nicht die offizielle Herberge des Ortes, die ist eine Straße weiter, gefällt es mir gleich so gut, dass ich eintrete. Der Chef macht gerade sauber. Ich kann aber schon meinen Rucksack da lassen und habe bis zur Öffnung um 14 Uhr Zeit genug für eine umfassende Ortsbesichtigung.

In Olveiroa stehen überall auf den Grundstücken die Kornspeicher Horreos aus Natursteinen gebaut. Das Wahrzeichen dieser Region. Allein auf dem Kirchplatz gleich mehrere.
Nun sehe ich auch die offizielle Herberge des Ortes. Drei restaurierte Gebäude aus altem Granitsteinen, gegenüber einem Café, in dem auch Pilgermenü angeboten wird. Also verhungern brauche ich hier nicht. Suche aber jetzt einen Laden, um Wasser, Bananen oder Orangen für morgen zu kaufen. Finde in diesen heißen Mittagsstunden aber kein einziges Geschäft. Habe den überschaubaren Ort nun bereits einmal umrundet und sehe am Ortsrand ein schönes Café.
 

 

 

Auffallend am Eingangsbereich in die Fassade eingelassen ein Paar Wanderschuhe und ein großer Pilgerhut mit der Jakobsmuschel.
Hier lässt es sich aushalten. Bin in diesen Tagen froh, ein Buch von zu Hause mitgenommen zu haben und nun Gelegenheit zu haben viel zu lesen oder vorbei wandernde Pilger zu begutachten. So nach und nach kommen am Nachmittag immer mehr Wanderer, gehen weiter oder suchen sich eine Bleibe für diese Nacht.
In meiner privaten Pilgerherberge sind nur einige Pilger abgestiegen, während sich  vor der offiziellen Herberge an die 15 bis 20 Pilger  aufhalten. Ein mir bekanntes Gesicht ist nicht dabei. Sehe heute aber das erste Mal eine junge Pilgerin aus Weimar, die am Abend beim Pilgermenü zusammen mit einer Pilgerin aus Canada sitzt, die einen sehr aufgedrehten Eindruck macht. Immer wieder taucht auch ein junger Pilger aus Dänemark auf, der sich erkennbar um die deutsche  Pilgerin bemüht. Noch ahne ich nicht, dass wir alle zusammen den Abend am Kap Fisterra zusammen verbringen werden.
Am Nachbartisch auch drei deutsche Pilger, denen ich dann bis Fisterra und anschließend in der Kathedrale von Santiago immer wieder begegne.
Vor dem Café steht ein nagelneues Auto. Zwei freilaufende Schäferhunde umrunden immer wieder das Auto und fangen plötzlich an, die vordere Plastikschürze vom Auto zu bearbeiten. Sie zerren beide solange an dem Teil, bis es plötzlich komplett abreißt. Der Autobesitzer wird sich freuen!
Im Gegensatz zum gestrigen Nepp-Pilger-Menü ist hier das Essen super.Noch zwei Tage dann werde ich den Atlantik riechen und sehen. Schon hier weht nun immer ein erfrischender Wind, so dass man beim Wandern die Hitze nicht mehr so spürt.
 

 

 

 


 

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