Irland 2003 - Reisebericht Teil 4
Ladie´s View
Standen gestern die Begegnungen mit Gleichgesinnten im Vordergrund, so ist heute das Fahren und genießen der Landschaft für mich vorrangig. Kein Regen, freier Blick vom Aussichtspunkt „Ladie’s View“ südlich des Upper Lake auf die Seen von Killarney.
Die Halbinsel Dingle bietet ebenfalls Bilderbuchlandschaften im Westen Irlands und ich umfahre sie nicht nur auf der Hauptstrecke, sondern durchquere sie auch über einige Nebenstraßen. Man hat überall herrliche Ausblicke, zum Beispiel auf die bis in den fünfziger Jahren noch bewohnte Blasket Islands und bei Fahrt über den Gonnor Pass, mit 465 m der höchste irische Bergpass, auf Dingle Town.
Schon von weitem sehe ich die schöne weiße Mühle von Blennerville, fahre aber noch bis Tralee, der Hauptstadt des County Kerry und finde sofort einen guten Zeltplatz vor Ort.
Rose of Tralee
Auffallend viele Menschen strömen in den frühen Abendstunden in die Stadt. Musik ist entfernt zu hören. Na, wenn alle laufen, muss ich wohl auch erkunden, wohin sie alle gehen, noch nicht ahnend, dass genau heute die „Rose of Tralee“ gewählt wird.
Der Zufall hat mich genau zu dem seit mehr als 40 Jahren immer im August ausgetragenen Schönheitswettbewerb v
on Tralee geführt. Die Kandidatinnen sitzen auf einer großen Bühne, vorbei ziehen Karnevalgruppen, Musikkapellen, überall ein Pulk an Menschenmassen. Alle Straßen der Innenstadt und die Pubs gerammelt voll, auffallend viele Jugendliche genießen diese Abwechslung.
Obwohl Guinness in Strömen fließt, sehe ich keine Betrunkenen. Der Ire kann offenbar eine Menge seines Lieblingsgetränkes vertragen. Am Morgen fahre ich mein Motorrad nördlich auf die N 69 durch die Stadt und sehe keine Spuren der Nacht mehr in den Gassen.
Cliffs of Moher
Mein Tagesziel die „Cliffs of Moher“. Durch das Benutzen der Fähre von Tarbert nach Killimer erspare ich mir die lange Umfahrt über Limerick. Eine Unterhaltung mit einem irischen pensionierten Feuerwehrmann verkürzt die Zeit.
Noch in den Nachmittagsstunden stelle ich mein Motorrad auf dem Parkplatz vor Irland’s steilsten und spektakulärsten Klippen ab, wandere immer auf dem Weg in Randlage, aber in gebührendem Abstand zur Kante und teile die Begeisterung mit vielen, im Moment einfach zu vielen Menschen.
Ich wundere mich über die Waghalsigkeit einiger, die extrem dicht an den Rand vorgehen und sich wohl keine Gedanken darüber machen, dass ein Wegrutschen ein schnelles Ende ihres irdischen Daseins bedeuten würde.
Doolin
In Doolin ist nicht nur ein sehr schöner Golfplatz und ein tolles Pub, auch Zeltplatz und Strand laden zum längeren Verweilen ein.
Mich treibt es aber weiter.
Ein Abstecher in die Burren, übersetzt „steiniger Platz“. Der Poulnabrone Dolmen, ein überdimensionaler Steintisch wird von zu vielen japanischen Touristen vereinnahmt.
Diese Landschaft ist mir einfach zu monoton, der Übergang wieder in Weidelandschaften, die Irland so prägen, eine Erholung für die Augen.
In Galway nur ein Zwischenstopp. Weiter auf der N 59 nordwestlich kreuze ich am Maam Cross auf eine südlich abgehende Nebenstraße und bin über zwei Stunden ohne Begegnung mit anderen Fahrzeugen in einer Seen- und Torfmoorlandschaft, dann übergehend in Stein- und Felsenküste.
Der Einfarbigkeit der Steine stehen im totalen Kontrast die bunten Blumen- und Moosflächen zwischen den Steinmassen gegenüber. Vereinzelt stehende Häuser wirken wie Fremdkörper in dieser kargen Landschaft. Überall sind Gräben erkennbar und daneben liegende Torfhaufen. Irland hat über die Hälfte aller noch in Europa existierenden Torfmoore.
Lettermore
Bei Lettermore finde ich, angrenzend an einem Bauernhof, einen bescheidenen Campingplatz. Seit meiner Ankunft und nun schon fast drei Stunden ist ein Radfahrer beschäftigt, sich aus einer großen dünnen Folie und einem gebogenen Draht ein Zelt zu bauen. Seitlich aufgelegte Steine verhindern das Wegfliegen dieser tollen Konstruktion, denn der Wind bringt die Folie mächtig in Bewegung. Nach „getaner Arbeit ist gut ruhen“.
Er schläft die Nacht über friedlich in seinem Folienpaket. Mich hätte nur noch interessiert, wie er dem Problem Regen begegnet wäre, aber es blieb trocken über Nacht.
Roundstone

Über Roundstone auf die N 59 bleibe ich jetzt immer auf dieser Hauptstrecke. Vorbei an Cliften durchquere ich nun die
Connemara, eine nur dünn besiedelte Region. Inmitten dichtbewaldeter Flächen liegt Kylemore Abbey vor einem See und schön anzuschauen. Das Märchenschloss wurde im 19. Jh. von einem reichen Kaufmann gebaut .

Direkt an einem Sandstrand liegend, finde ich einen Platz für die Nacht und stelle mein Zelt neben der mir seit der Apfelplantage von Cahir, immer wieder begegneten VN Kawasaki Drifter
Jim aus London
Nun lerne ich auch deren Fahrer Jim aus London etwas näher kennen.
Jim will bis nach Nordirland, da ihm nur noch wenige Tage Urlaub bleiben. Also trennen sich am Morgen schon wieder unsere Wege.
Achill Islands
Ich möchte die Achill Islands besuchen. Über eine kurze Brücke hat diese größte Insel vor der irischen Küste eine Straßenanbindung zum Festland.
Die Straßen auf der Insel sind traumhaft und übersichtlich, die Küstenlandschaft sehr abwechslungsreich.
Nach nur einigen Stunden hat man alles Sehenswerte abgefahren und ich verlasse über den Ort Achill wieder diesen Landstrich, um erneut auf der N 59 nördliche Richtung einzuschlagen.
Downpatrick Head
Um den Downpatrick Head, eine Klippenformation und dem ihr vorgelagerten allein stehenden Felsen „Dun Briste“ zu finden, verlasse ich jetzt die Straße bei Ballina, suche über Stunden und finde endlich die direkte Zufahrtsstraße nach mehreren Versuchen.
Der Anblick dieser seit dem 15. Jh. vom Festland getrennten Felsen ist überwältigend. Am Rande einer kreisförmigen Zaunabtrennung, inmitten der Wiesenflächen, hat man einen Blick in einen offenen Felskrater und sieht unten die tobende Brandung des Meeres. Die Kraft de Wellen gräbt sich immer weiter in die Felsen.
Bei Sligo finde ich einen Campingplatz mit Blick auf den riesigen Tafelberg Ben Bulben.
Londonderry
Auf der Autobahn N15 heute ohne Pause unterwe
gs bis nach Londonderry, der geteilten Stadt in dem geteilten Land. Noch viele Spuren der blutigen Zeit sind erkennbar. Stacheldraht, Zäune und Bewachungstürme gehen mitten durch diese Stadt.
Als ehemaliger DDR-Bürger kommen viele Gedanken an eigene Geschichte auf und ich bin sehr froh darüber, dass mir jetzt solche Reisen mit einem Motorrad möglich sind.
Über den Fährhafen von Dun Laoghaire verlasse ich nach drei Wochen Irland , fahre noch einige Tage durch England, um dann mit der Fähre, Harwich - Cuxhaven wieder in Old Germany einzutreffen.
Im Gepäck unendlich viele Reiseeindrücke,
70 Tage unterwegs in England, Schottland, Irland und 15.000 Motorradkilometer mehr auf dem Tacho meiner BMW .
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