Irland 2003 - Reisebericht Teil 3
Rock of Cashel
Ich will am Morgen noch zum nur wenige Kilometer entfernten Rock of Cashel. Einst Krönungsstätte und Königssitz ragt die Hochburg auf einen 30 Meter hohen Kreidefelsen inmitten einer sattgrünen Ebene. Ist man an irischer Geschichte interessiert, muss man sich die kleine Ausstellung und den Videovortrag unbedingt anschauen.
Auf dem Parkplatz steht auf einmal die Kawasaki VN Drifter von gestern und ich habe nun genügend Gelegenheit mir alle Details und Veränderungen anzuschauen. Hier hat einer seinen Fantasien freien Lauf gelassen. Ein Motorrad, das wohl eher den Namen „Bad Boy“, als die original amerikanische Variante verdient.
Hatte ich seit dem Betreten der Insel immer „Schönwetter - Petrus“ als Verbündeten auf der Reise, zeigt sich heute Irlands andere Seite. Es regnet ununterbrochen, starker Nebelschleier liegt über der Straße nach Kinsale, einer kleinen Hafenstadt unterhalb Cork.
So früh der Ort noch völlig verschlafen, sind doch Bäckerei und ein kleines Pub bereits geöffnet. Ich genehmige mir heute ein irisches Breakfast. Ein Spiegelei, zwei Sausages, magerer Speck, eine Scheibe Blutwurst schwarz und eine weiß, Toastbrot und irische Butter. Fett und üppig, aber ausnahmsweise mal gar nicht so übel.
Die Fassaden der Häuser von Kinsale in vielen unterschiedlichen kräftigen Farben , ein totaler Kontrast zu dem heutigen Mistwetter und einfach wunderschön.
Auf der Küstenstraße scheine ich alleine unterwegs zu sein. Nur wenige Häuser abseits der Straßen und kleine Dörfer weitläufig verstreut, säumen die Südküste. Auf der N 71 bin ich im äußersten Südwesten der Insel angekommen, lenke meine Maschine jetzt entlang der Bantry Bay bis Glengarriff.
Garinish Island
Obwohl die Fährüberfahrt zur Garinish Insel und der Eintritt in den gleichnamigen Park sehr teuer sind, habe ich diese Investition nicht bereut. Die Fähre wird ganz dicht an den von Robben bevorzugten Felsen vorbeigesteuert und man hat genügend Zeit zur Beobachtung. Der Garten mit tropischen und subtropischen Pflanzen und die Aussichtsmöglichkeiten auf Berge, Küste und Park rund um Bantry Bay traumhaft.
Kurze kräftige Regenschauer und dann wieder Sonnenschein bestimmen die Fahrt durch den Killarny National Park. Auf der Suche nach einem Zeltplatz fahre ich immer mehr auf spektakuläre Höhenstraßen, bin zufällig auf den Healy Pass geraten und habe ab und zu freien Blick auf eine schroffe Küste und weite Täler.
Mir kommen erst vereinzelt und jetzt auch in Gruppen Motorradfahrer auf alten Maschinen entgegen. Obwohl man vor den Kehren noch nichts sehen kann, hört man durch den einzigartigen knatternden Klang in verschiedenen Tonlagen, durch den Schall in den Bergen noch bekräftigt, dass diese Motorräder sehr alt sein müssen. Auf den Frontlampen die jeweilige Rallye- Nummer mit der Aufschrift „67 th Irish National Vintage Motorcycle Assembly“
Ring of Kerry
Meinen Plan, die wohl schönste Küstenstraße Irlands, den“ Ring of Kerry“ auf der Halbinsel Iveragh mit dem Motorrad abzufahren, kann ich heute vormittag vergessen. Nebel und Nieselregen bestimmen die Morgenstunden.
Also gleich meine BMW in Kenmare, der Stadt mit vielen farbenfrohen Fassaden, abgestellt. Immer wieder fahren Teilnehmer des Oldtimer-Motorradtreffens durch die Straßen und bekommen große Aufmerksamkeit von den Passanten. Nach zwei Stunden zieht es mich wieder auf d
ie N 70.
Genau wie gestern ist um die Mittagsstunde eine kleine Hoffnung auf Wetterbesserung in Sicht. Um eine Begegnung mit den vielen Touristenbussen in engen Kurven zu vermeiden, wähle auch ich die Fahrt entgegen dem Uhrzeigersinn über Killarney nach Killorrglin.
Leider ziehen immer wieder Massen von Wolken, schwer und tief über die Halbinsel. Ist man einige Kehren zu hoch, taucht das Motorrad in eine Suppe aus Wolken und Nebelschwaden und ich kann die Landschaft abseits, der vor einem verlaufenden Straßenlinie, nur noch erahnen.
In Waterville ein völlig anderes Bild. Am Sandstrand dieses beliebten Ferienortes viele Menschen und es ist warm.
Auf einem Parkplatz am Strand stehen alle Motorräder der Oldtimer Rallye. Genug Gelegenheit sich alle Motorräder anzuschauen. Die Fahrer, viele ältere Herren darunter, genießen sichtlich die neugierigen Blicke der Menschen auf ihre Motorradraritäten. Die Marken englischer Hersteller: überwiegend Norton, aber auch viele Harley Davidson aus den Baujahren zwischen 1917 und 1930
dominieren das Bild.
Hier wirkt meine BMW 1.100 GS in ihrer wuchtigen Größe wirklich deplaziert, neben so vielen alten noch fahrbereiten, filigranen Maschinen.
Ich verlasse den Ort und Minuten später tauche ich erneut in den Wolkennebel oberhalb des Küstenstädtchens ein, manchmal nach einigen Kurven ein atemberaubender Blick auf das Meer oder die steilherabgehende Küste.
Vor einem Pub in Sneem ein erneutes Wiedersehen mit den anderen Motorradfahrern, die so gar keine Eile zu haben scheinen. Da wird auch zwischendurch das eine und andere Guinness getrunken und viel gefachsimpelt.
Ankommen ist die Maxime.
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