Irland 2003 - Reisebericht Teil 2
Dublin
Schon sehr früh am Samstag morgen fahre ich die GS auf die N 1und brauche immer nur gerade aus bis in das Zentrum der Hauptstadt Irlands, Dublin, die Maschine lenken.
Sehe vor mir den die Stadt genau in der Mitte Ost-West Richtung teilenden Fluss Liffey und finde in unmittelbarer Nähe der O’ Connell Bridge direkt eine Parklücke für das Motorrad.
Noch gestern Abend hatten mich meine Zeltnachbarn vor dieser Stadt gewarnt. Eine Großfamilie aus Dublin, die sich auf dem Campingplatz von Rush einen Dauerstellplatz in einem der hier üblichen Feriencontainer ohne Räder teilte, lud mich auf ein Bier in ihre gute Stube.
B
esonders der Großvater interessierte sich für mein Motorrad und meine Reise. Jeden Satz an mich gerichtet, beendete er mit „you’r understand“. Leider habe ich nicht alles genau verstanden und die Warnungen vor seiner eigenen Stadt vielleicht etwas überbewertet. Trotzdem wird nun nicht nur das Lenkerschloss eingerastet , sondern zusätzlich das Bremsscheibenschloss am Vorderrad befestigt, der Helm und das Hinterrad mit einem Seilschloss,
( sicher ist sicher ) an einen Gehwegpoller gebunden.
Ausgangspunkt der Besichtigung ist die O’ Connell Bridge. Ich erreiche nach wenigen Minuten das Trinity College und schaue mir die Bibliothek im Long Room und das wertvollste Buch des Landes „Book of Kells“ an.
Am Anfang der Einkaufsmeile Grafton Street steht die schöne Statue der Fischverkäuferin Molly Malone, inzwischen ein Wahrzeichen dieser Stadt.
Straßenmusiker auf beiden Seiten spielen um die Gunst der vorbeieilenden Menschen, alles strahlt eine Fröhlichkeit aus, von der man sich gerne anstecken lässt.
Am Sonntag fahre ich direkt vor die „Jameson Distillery“ Dublins, deren Erkennungszeichen, ein auf dem gemauerten Fabrikschornstein gesetzter Aussichtsturm, über einen außen angesetzten Fahrstuhl zu erreichen ist.
Am frühen Nachmittag laufe ich über eine der zahlreich die beiden Stadtteile verbindenden Brücken in den Bezirk Temple Bar. Kaum in der ersten schmalen Gasse angekommen höre ich laute Musik und Gelächter der Menschen auf den Straßen. Ein Straßenmusikant mit enormen schauspielerischen Talenten lässt keinen Touristen an sich vorbei ohne Kommentar auf vermutete Nationalität des Besuchers und dann entsprechenden Bemerkungen auf sogenannte nationale Besonderheiten.
Irische Klänge führen mich in das Temple Bar Pub In einer Raumecke sitzen die Musiker und spielen gerade auf traditionellen irischen Instrumenten. Diese einfache, ausgelassene Stimmung nimmt einen einfach mit. Noch deutlicher bestätigt sich mir das im Pub des Auld Dubliner. Ein Musiker nur mit Gitarre hat alle Gäste in seinem musikalischen Griff. Die Lieder werden von vielen mitgesungen und noch weit auf die Straße überträgt sich die Fröhlichkeit.
Südirland
Nach zwei intensiven Stadttagen will ich heute weiter südlich in das Landesinnere, suche Glendalough, den frühchristlichen Klosterbezirk. Über die N 11 schaffe ich die Ausfahrt raus aus Dublin ohne Probleme, verlasse diese Trasse bei Bray und tauche in eine Hügellandschaft mit immer dichterem Baumbestand ein.
Das Motorrad stelle ich am Parkplatz des Visitor Centre ab und gehe direkt den gut ausgeschilderten Weg entlang der Seen , schaue mir alle erhaltenen Klosteranlagen an und begreife, warum Glendalough der mystischste irische Klosterbezirk sein soll. Immer im Blick der 30 Meter hohe Rundturm und die westlich des Turms liegende St. Mary’s Church am unteren See. Lässt man sich ein auf die vielen Wege um den oberen See, entdeckt man die einzigartige Landschaft und versteht, warum gerade hier der Gründer, der Hl. Kevin, im 6. Jahrhundert das Kloster ansiedelte.
Habe mir in den letzten Tagen einen sehr frühen Aufbruch angewöhnt, da in den Morgenstunden das Motorradfahren einfach mehr Spaß macht und die irische Landschaft im Dunst der langsam verschwindenden Nebelschwaden einen geheimnisvollen Zauber ausstrahlt, man erwartungsvoll ein weiteres Ziel ansteuert und entdecken möchte.
Über Enniscorthy treibe ich mein Motorrad bis New Ross, verlasse die N 30 nördlich und halte für einen kurzen Stop an der Jerpoint Abbey an. Hier fallen besonders die vielen Säulenfiguren mit teilweise humorvoller Ausstrahlung auf.
Noch einen Kurzbesuch in der dieser Region den Namen gebenden Stadt Kilkenny und dem noch vollkommen erhaltenen imposanten Castle , dass besonders mit gebührenden Abstand von den Parkanlagen aus, riesig wirkt.
Cahir
In südlicher Ausfahrt verlasse ich die Stadt auf der N 10, N 9 bis Waterford, dann westlich auf der N 24 bis Caher. Nur 4 Km vor der Stadt sehe ich ein kleines Hinweisschild auf einen Zeltplatz, will aber noch das
Cahir Castle wenigstens fotografieren, denn für eine Besichtigung ist es schon zu spät.
Mein Entschluss zu diesem Campingplatz zurück zu fahren erwies sich als V
olltreffer. Inmitten einer Apfelplantage gelegen empfängt mich eine große Gastfreundschaft. Die Frau des Besitzers erklärt alle Anlagen genau, der Preis ist o. k. und es gibt als kleine Geste für jeden ankommenden Gast eine Flasche Pur Apple Juice.
Kurz nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe, fährt erneut ein Motorrad auf den Platz vor der Obstlagerhalle. Der Fahrer, ein Engländer, ist ganz in schwarz gekleidet und seine Maschine wirkt schon aus der Entfernung sehr martialisch.
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