Frankreich 2 - Reisebericht - Teil 2

05.08.2007                                                                     Tag 84
Tourverlauf:   BADEN UND RUHETAG AN DER COTE D’AZUR
KM:         ------------

Port Grimand mit seinem Hafen und vielen Brücken ist wirklich schön.
Eine meiner Hauptbeobachtungen auf diesem Campingplatz. Französische Männer voller Elan jeden Abend bei Ihrem Nationalspiel Boule. Habe nach langer Beobachtung die Regeln verstanden:
1.    Jeder hat zwei Kugeln.
2.    Werfen oder Rollen in Richtung der vorher geworfenen kleinen Kugel.
3.    Wer am dichtesten dran ist, hat am Schluss hat gewonnen.
4.    Gegenspieler können aber mit exaktem Wurf die gegnerische Kugel, die am dichtesten an der kleinen ist, wegstoßen.
5.    Einfache Regel und den Franzosen macht es offensichtlich viel Spaß, da man sie allerorts bei diesem Spiel beobachten kann.

06.08.2007                                                                    Tag 85
Tourverlauf: Port Grimand- Sainte Maxime- 25- Dragqignan- Grand Canyon de Verdon- La Palud su Verdon. (Rundfahrt durch den Grand Canyon de Verdon)
KM:        148

Die Fahrt durch den Canyon de Verdon war ein Erlebnis. Viele Bilder geschossen, aber auch leider viele Touristen unterwegs. Diese Strecke sollte man in den frühen Morgenstunden machen. Mal sehen, ob ich Morgen früh genug aufstehe und meinen Vorsatz breche weiter Richtung Grenoble zu fahren oder doch noch Fotoaufnahmen mit dem Stativ im Canyon mache?

Der Tipp eines Ehepaares aus Dänemark  auf meiner Rückreise durch Frankreich unbedingt den Grand Canyon de Verdon zu durchfahren, erwies sich als Volltreffer. Hier macht Motorrad fahren richtig Spaß.
             
Endlich wieder passende Gaskartusche für meinen Campingkocher gekauft.  Viele Motorradfahrer in dieser Region on Tour, aber auf dem Zeltplatz wieder keine deutschen Biker dabei. Chef vom Zeltplatz ein “echter Franzose“, immerzu geredet und ich habe NICHTS verstehen können, was ihn nicht davon abhielt, mich dauerhaft zu unterhalten. Dann beim Bezahlen des Zeltplatzes für die eine Nacht, hörte ich aus seinem erneut einsetzenden Redeschwall nur ein einziges Wort verständlich heraus. Da ich nur einen fünfzig Euro- Schein hatte, um 6 Euro für den Platz zu bezahlen, hat er mich schalkhaft anblickend als KAPITALISTEN bezeichnet.

07.08.2007                                                                   Tag 86
Tourverlauf: Grand Canyon de Verdon-85- Richtung Grenoble- Zeltplatz ca. 60 km vor Grenoble in 26620 Lus La Croix Haute
KM:     236

Am Nachmittag schweres Gewitter, das mich zwang die Fahrt abzubrechen. Frankreich hat mich wieder mit Regen, nass bis auf die Haut! Abbruch der Tour, weil ich mich trotz mehrmaligen Unterstellens und Pausen kaputt fühlte und heute ein Weiterfahren nur Qual ist. Der  Blick vom Zeltplatz auf ein wunderschönes Bergpanorama, aber mein „Gegenüber“ hielt jede meiner Bewegungen und Aktivitäten, meine Motorradsachen zu trocknen, unter Beobachtung. Nach ca. zwei Stunden begann es dann doch nervig zu werden und ich entfernte mich bewusst zu einem längeren Spaziergang in den Ort, obwohl immer wieder einsetzender Regen nicht gerade zum Spazieren einlud.

08.08.2007                                                                      Tag 87
Tourverlauf: Croix Haute- 75- Geneve- Genfer See- Allarna (kurz vor Lausanne)
KM:    Vor Nässe vergessen!

Regen, Regen, Regen ohne Unterlass. Halt an jeder Raststätte, um meine Klamotten auszuwringen! Nach 3 Stunden waren alle Sachen durch. Aus meiner Erinnerung der bisherigen Motorradtouren war die heutige einer der regenreichsten und härtesten.
„Hardcorebiker halte durch, die Heimat ruft!“
Da ich übermorgen meinen Bruder in Alfdorf bei Stuttgart treffen will, bleibt mir nichts anderes übrig als fahren, fahren, Kilometer auf der Autobahn machen.

09.08.2007                                                                     Tag 88
Tourverlauf: Allarna- Lausanne-Bern- Zürich- Rheinfall- Stuttgart- Alfdorf
KM:         567

Furchtbare Autobahnfahrt nur bei Regen. Scheinwerfer vorne Birne kaputt. Bei den Regenmassen habe ich keine Meinung sie zu reparieren. Fahre wohl schon einige Tage, wenn nicht schon Wochen mit Standlicht? Jetzt wird mir klar, warum ich im Tunnel vor Andorra so schlecht gesehen habe! Vielleicht sollte ich doch öfter mal die Technik am „Moped“ überprüfen?                     

10.08.2007                                                                     Tag 89
Tourverlauf: Alfdorf- Aalen- A 7-Würzburg Etap- Hotel
KM:                                                                                                                                        244

Gestern Abend bis lange in die Nacht mit meinem Bruder und Kumpel J. über „Gott und die Welt“ gequatscht, dem Bier und Whisky gut zugesprochen. Weiterfahrt bei was wohl, klar ununterbrochenem Regen. Was für ein krasser Unterschied zu meinen Tourtagen in Spanien und noch vor vier Tagen in Südfrankreich. Deshalb nur bis Würzburg gekommen. Morgen noch ca. 480 km bis nach Hause.

11.08.2007                                                                    Tag 90
Tourverlauf: Autobahnen bis nach Hause
KM:      480

Eine sehr schöne Motorradreise geht zu Ende, wenn auch die letzten vier Tage nur Hetze auf  Regen peitschenden Autobahnen noch einmal vollen Einsatz verlangten.
Viele Regentage zu Beginn der Tour in Frankreich, dann schlagartig Hitze in Spanien und Portugal. Tolle Landschaften, Entdeckungen auch oft abseits der ausgebauten Straßen und dank GPS fast immer stressfreie Suche nach einem Platz für die Nacht.
Interessante Begegnungen und Gespräche bei Tourpausen am Rande der Straßen und besonders auf den Zeltplätzen.
Ein wenig Frust darüber sehr wenigen gleichgesinnten Motorradfahrern (unterwegs mit Zelt)
begegnet zu sein. Selbst in solchen Motorradtourer- Hochburgen wie den Pyrenäen traf ich zwar viele Biker auf den Straßen, aber auf den Zeltplätzen war meine selbst gewählte Unterkunft das Zelt für jeweils eine Nacht, fast immer umrahmt von Campinganhängern oder Wohnwagen.

Die mir oft gestellte Frage von anderen Reisenden unterwegs oder Freunden zu Haus, ist das Alleinreisen mit dem Motorrad nicht zu einsam und langweilig, kann ich für mich nur verneinen. Den Tagesablauf unterwegs selbstbestimmt, ohne langwierige Gruppendiskussionen  vor Tourbeginn und unterwegs hat bei einer so langen Reise mehr Vor- als Nachteile. Man geht automatisch nach eigener Befindlichkeit und Laune auf fremde Menschen zu und sucht interessante Gesprächspartner, oder ist mit der selbst gewählten Einsamkeit im Reinen. Die heute technischen Möglichkeiten der Kommunikation mittels Telefon, Internet usw. lassen den fast täglichen Kontakt zu den zu Hause gebliebenen ja auch zu.
Die sogenannte „Freiheit durch Motorradreisen“ hat sich oft bei mir eingestellt und kaum zu Hause das Gepäck vom Motorrad genommen, fange ich wieder an zu träumen: 

„Welchen Teil dieser Welt nehme ich als nächstes unter die Reifen meines Motorrades.“

Man darf doch wohl noch träumen, oder?

 ...      Noch 30 min. bis nach Hause    ...


top